Anthropos, Tyrann (Ödipus)

Mit Texten der Erdsystemforscherin Antje Boetius. Auszüge aus Sophokles' «König Ödipus», «Ödipus auf Kolonos» und «Antigone» übersetzt von Kurt Steinmann. © Rowohlt Theater Verlag

Der vorliegende Text entstand im Rahmen einer Inszenierung an der Volksbühne Berlin. Die Premiere am 19. Februar 2021 fand als 360°-Live-Stream statt. In der Aufführung trat die Meeresbiologin und Erdsystemforscherin Antje Boetius in der Rolle der Pythia auf. Die entsprechenden Texte stammen von ihr und sind Spiegel aktueller wissenschaftlicher Kommunikation.

Die Zusammenarbeit mit Antje Boetius und dem Projekt «Theater des Anthropozän» resultiert aus einem festen Glauben daran, dass es Allianzen aus Kunst und Wissenschaft braucht, um politische und gesellschaftliche Denkräume zu öffnen.

Der Chor im vorliegenden Stück versteht sich als die Gesamtheit der Spielenden auf der Bühne. Der Chor erschafft aus sich immer wieder die einzelnen Figuren. Dieser Vorgang ist nicht illusionistisch, sondern zeigend und als das Ausprobieren verschiedener Positionen gemeint. Die Rolle des Ödipus wird dabei immer wieder an verschiedene Personen vergeben. Die Texte des Chors wurden in der Uraufführung verteilt und nicht chorisch gesprochen. Die Passagen aus «König Ödipus», «Ödipus auf Kolonos» und «Antigone» von Sophokles stammen aus den Übersetzungen von Kurt Steinmann. Elemente von Hölderlins Hymne ...

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Theater heute Juni 2021
Rubrik: Das Stück, Seite 99
von Alexander Eisenach

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