Reine Glaubenssache
«Was ist Wahrheit?», fragte der römische Statthalter Pontius Pilatus den Delinquenten Jesus und blieb nicht, dessen Antwort abzuwarten, sondern ging ab und wusch seine Hände in Unschuld. Modernen Wahrheitstheoretikern gilt Pilatus mit dieser Aktion als Visionär.
Denn wer wollte wohl die Antwort kennen? Wo doch Wahrheit im Sozialen wie im Naturwissenschaftlichen heute als komplexer, wiewohl nicht unverbindlicher Konstruktionsvorgang angesehen wird? Als offener Verhandlungsgegenstand, nicht als absolut gegebene Größe? So hat es sich über die Jahrhunderte als philosophische Binse herausgeschält. Es sei denn natürlich, man wäre Jesus und verfügte über ein Offenbarungswissen. Aber Jesus’ Antwort wurde ja nicht gehört.
Die Pilatus-Szene hat Michail Bulgakow in den Auftakt seines 1928 bis 1940 verfassten, doch erst ab 1966 postum veröffentlichten Opus magnum «Der Meister und Margarita» gestellt. Er platzierte sie in eine Zeit, in der die sowjetischen Autoritäten ihre historisch-materialistische Wahrheit selbst ins quasi Religiöse überhöhten (Lenin: «Der Marxismus ist allmächtig, weil er wahr ist.»). Und ganz folgerichtig erscheint Jesus bei Bulgakow nicht als erweckungstrunkener ...
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Theater heute Mai 2020
Rubrik: Aufführungen, Seite 42
von Christian Rakow
Karin Cerny Wie sind Sie bei Florentina Holzinger gelandet?
Lucifire Ich habe mit der Performerin Veronica Thompson, die sich in «Tanz» an den Haaren hochziehen lässt, früher in einem Zirkus gearbeitet. Sie meinte, Florentina würde Frauen suchen, die Erfahrungen mit Body Suspension haben, sich also auf Haken in ihrem Fleisch aufhängen lassen wollen. Ich hatte...
Figuren:
Richard «Ricky» Martin/Alecto Dimitrij Schaad
Dr. Stefan Frank/Alecto Tim Porath
Tatjana/Alecto Marina Galic
Lana/Alecto Birgit Stöger
René André Szymanski
SZENE 1 – Introduction
Monolog Dimi Guten Abend, meine sehr geehrten Damen und Herren.
Bevor es losgeht, würde ich Sie gerne mit den neuen Privatsphäre-Einstellungen und Nutzungsbedingungen des Thalia...
Die Thesen des kamerunischen Historikers und Politikwissenschaftlers Achille Mbembe haben Hochkonjunktur. Seine politischen Visionen einer Weltgemeinschaft, die sich kolonialer Strukturen entledigt hat, faszinieren. Sie formulieren nicht nur entscheidende Ideen für den gesellschaftspolitischen Diskurs, sondern teilen indirekt den Künsten eine Schlüsselrolle zu,...
