Angst als Universalmotor
Das Leiden an sich selbst gehört zu den Lieblingsdisziplinen von Wohlstandsgesellschaften. Wo objektiv die meisten materiellen Bedürfnisse übererfüllt sind, entstehen andere, diffuse Defizite, Zweifel an der eigenen Konsumtauglichkeit, Unlust, sich der Kontrolle und dem Konformitätsdruck der Außenwelt auszuliefern, oder es lauert schlicht die Angst, dass es ohnehin nur noch abwärts gehen kann.
Solcherlei Bedenken dämpfen bereits prophylaktisch die Freude am Gesundsein, was je nach kulturellem Kontext zu sehr unterschiedlichen dramatisch-pathologischen Erscheinungsbildern führt, wie man Ende vergangenen Jahres auf beiden Seiten der Maximilianstraße erleben konnte.
Totalverweigerer im Kinderzimmer
Ein wenig ist es wie der Blick durchs Schlüsselloch in eine sehr fremde Welt, wenn Toshiki Okada an den Münchner Kammerspielen inszeniert. Bereits zum vierten Mal seit 2015 fand unter der Intendanz von Matthias Lilienthal eine west-östliche Kollaboration zwischen dem japanischen Theatermacher (und Begründer der chelfitsch Theater Company) und dem Münchner Ensemble statt. Längst haben die Akteure, allen voran Thomas Hauser, der bei allen Produktionen dabei war, die aus modifizierten ...
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Theater heute Februar 2020
Rubrik: Aufführungen, Seite 17
von Silvia Stammen
In einer Rezension des deutschen Musikfilms «Ich war noch niemals in New York» las ich: «Man sollte sich bei Musicals nicht an der Triftigkeit von Handlungen aufhalten.» Ob es einen Kritiker in New York gibt, der so eine These wagen würde? Ich war im Herbst eine Woche in New York, um mir Musicals anzuschauen. Vom Schauspiel und der Schauspielausbildung kommend,...
Seit der britischen Vorweihnachtswahl ist klar: Jetzt ist Schluss mit lustig. Wie eine Platte mit Sprung hat Premierminister Johnson bei jedem Kampagnenauftritt seine zwei Mantras vom «oven-ready deal» und «get Brexit done» runtergeleihert – selbst wenn er sich das Grinsen manchmal nicht verkneifen konnte. Für seine Ausdauer ist Alexander Boris de Pfeffel Johnson...
Der japanische Regisseur und Visual Artist Akira Takayama hat fürs Frankfurter Künstlerhaus Mousonturm im Dezember das zehntägige «Wagner Project» erarbeitet, bei dem gemeinsames Lernen und die Bildung einer HipHop-Community im Zentrum standen. Von Wagners «Die Meistersinger von Nürnberg» wurde nur der Sängerwettstreit übernommen. In einer Public Audition wurden...
