Kannibalen unter sich
Governance is a form of art», heißt es irgendwann in «No President», der jüngsten Produktion des New Yorker Nature Theater of Oklahoma, die auf der diesjährigen Ruhrtriennale uraufgeführt und vom Düsseldorfer Schauspielhaus koproduziert wurde. Dass Regieren eine Kunst ist, weiß auch Mikey, der Wachmann und ehemalige Schauspieler, der mit seinen Kollegen einer Sicherheitsfirma das geheimnisvolle Überbleibsel einer vergangenen Kultur, einen roten Theatervorhang, bewachen muss. Da geht es dem Wachpersonal in der Geschichte nicht anders als vielen Zuschauern in der Gladbecker Halle.
Sie kehren an ihren ehemaligen Arbeitsplatz zurück, der inzwischen zu einem Museum geworden ist, und bestaunen die Kunst, mit der sie zumindest als Werktätige nichts mehr zu tun haben. In die ehemalige Maschinenhalle Zweckel in Gladbeck hat Ansgar Prüwer ein klassisches Guckkastentheater hineingebaut, dessen roter Vorhang während des zweieinhalbstündigen pausenlosen Abends geschlossen bleibt. Gespielt wird durchweg auf der Vorderbühne, die links und rechts vor dem zerschlissenen Proszeniumsbogen von zwei Kulissen mit ihren Gassen für Auftritte und Abgänge flankiert wird.
Kulturelle Formate
Wer braucht ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Theater-heute-Artikel online lesen
- Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Theater heute November 2018
Rubrik: Aufführungen, Seite 10
von Gerald Siegmund
Schön war der Dreißigjährige Krieg nicht, schön ist er jetzt erst geworden – in Kehlmanns Roman «Tyll» und noch schöner in Stefan Bachmanns Bühnenversion. Folter, Hinrichtung, Morde, Schlachten – alle Kriegsgräuel kommen im Roman vor, in wunderbar sparsamer, wasserklarer, geschmeidig fließender Sprache mit dezent gesetzten Pointen. Folter, Hinrichtung, Morde,...
Pläne der Redaktion
Johan Simons packt wieder an: Vier Jahre nach seinem Abschied von den Münchner Kammerspielen übernimmt der 72-Jährige das traditionsreiche, aber zuletzt wenig glückliche Schauspiel Bochum.
Aufgeschoben ist nicht aufgehoben: Der schon für dieses Heft geplante Aufsatz über Theaterarchitektur als gebaute Ideologie.
Von wegen Gott ist tot. In El...
«Die Sonne Satans schien vom Meer her, das man nicht sah, aber roch.» Das ist so ein Fritz-Kater-Satz von poetischer Wucht, ein Satz in den schon all das Grauen eingeschrieben ist, das das Mädchen (Mirjam Rast) erleiden wird, im Wäldchen, wo der Vergewaltiger (Manolo Bertling) wartet. «Die Sonne Satans», das ist der Hamster, den der Angreifer dem Mädchen schenkt,...
