No Sex, no Solo
Vor drei Jahren reiste ich aus der Antwerpener Troubleyn-Factory mit Übergepäck wieder ab. Der Avantgardekünstler und Choreograf Jan Fabre und seine Assistent*innen hatten mich in den anderthalb Tagen Probenbesuch für die Marathon-Inszenierung «Mount Olympus» mit einem ganzen Stapel von Ausstellungskatalogen und Werkdokumentationen überhäuft; einen von ihnen hatte der Meister mit der knappen Standard-Widmung «Always defend beauty!» signiert.
Was auch immer Schönheit in Fabres Verständnis sein mag – die Errichtung und Zerstörung von Ordnungs- und Regelsystemen im Rahmen seiner Kunst oder einfach attraktive junge Tänzer*innen.
Nun haben zwanzig seiner ehemaligen «Warriors of Beauty» (Fabre über seine Performer*innen) in einem von der niederländischen Kulturzeitschrift «rekto-verso» publizierten offenen Brief erklärt, dass die Arbeit an Fabres Verständnis von Schönheit auch eine ziemlich hässliche Seite gehabt haben soll. Zwölf anonym und acht namentlich zeichnende Autor*innen schildern eindrücklich ein Arbeitsklima, in dem sexuelle Nötigung und Machtspiele auf der Tagesordnung gestanden hätten. So habe Fabre einzelnen Tänzerinnen «privat» bezahlte Fotosessions vorgeschlagen, ...
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Theater heute November 2018
Rubrik: Foyer, Seite 1
von Eva Behrendt
Für die Bewohner von Stadtland ist das Tram 83 Sehnsuchtsort und Sündenpfuhl, Hölle und Paradies zugleich. In dem Nachtclub kommen Gauner und Prostituierte, Minenarbeiter und Studenten, einheimische Warlords und ausländische Geschäftsleute zusammen. Sie werden vom Beat wilder Jazzbands in Stimmung gebracht und von missmutigen Kellnerinnen bedient, sie vögeln auf...
«Die Sonne Satans schien vom Meer her, das man nicht sah, aber roch.» Das ist so ein Fritz-Kater-Satz von poetischer Wucht, ein Satz in den schon all das Grauen eingeschrieben ist, das das Mädchen (Mirjam Rast) erleiden wird, im Wäldchen, wo der Vergewaltiger (Manolo Bertling) wartet. «Die Sonne Satans», das ist der Hamster, den der Angreifer dem Mädchen schenkt,...
Von diesem Schatten geht nichts Gutes aus. Mondbleich starren die Schlosswächter aus ihrem Ausguckkasten heraus auf das Phantom, das über die nachtschwarze Zürcher Pfauenbühne schleicht. Polonius (Gottfried Breitfuß) steht dabei, Horatio auch (Edmund Telgenkämper), keinem will sich die Erscheinung erklären. Es ist der Geist der Endzeit, der hier umgeht. Das...
