Zürich: Die Wolkenmacher

Thom Luz «Girl from the Fog Machine Factory» (U)

Theater heute - Logo

Wehmütig flockt eine Melodie durch den verlassenen Raum. Sehr lang sei es her, verkündet der Refrain, «it is a very long time, a very long time ago». Was lange her ist, verkündet er nicht. Das müssen der stille Ort und seine merkwürdigen Menschen, die nach und nach und mit Teetassen bewaffnet auf die Bühne tröpfeln, schon selber erzählen. 

Schau- und Werkplatz dieser freien Thom-Luz-Arbeit ist eine Fabrik für Nebelmaschinen.

Ihr Kernprodukt ist im Alltag verzichtbar, ihr Element von flüchtiger Substanz – was durchaus an Aki Kaurismäkis Streichholzfabrik erinnert, an die sich der Stücktitel anlehnt, «The Girl from the Fog Machine Factory». 

Jenseits von Horror-Musicals und Edgar-Wallace-Krimis fristet die Nebelmaschine auf dem Theater eine eher randständige Existenz – stets im Verdacht, effektvoll darüber hinwegtäuschen zu wollen, dass die Regie kein klares Bild von ihrer Inszenierung hat. Aus ganz anderem Grund ist die Nebelmaschine bei Thom Luz auffallend häufig anzutreffen. Bei ihm ist das Schleierhafte, das schnell Verwehende, die fließende Stimmung zwischen Schönheit und Melancholie ein zentrales Gestaltungsprinzip. 

Die Bühne jedenfalls gleicht einem Depot für Sammlerstücke ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Theater-heute-Artikel online lesen
  • Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Theater heute Juli 2018
Rubrik: Chronik, Seite 56
von Stephan Reuter

Weitere Beiträge
Männerdämmerung

Zum Schluss stapfen zwei alte Männer (weiß sind sie natürlich auch) durch eine finstere, mit Leichensäcken gepflasterte Ödnis. Der Grauhaarige im hö­fischen Kostüm fragt den noch Älteren im modernen Lederblouson, wem er denn nun seinen einzigen Sohn überantwortet habe. Der Angesprochene beglückwünscht zur richtigen Entscheidung: «Der Verwesung lieber als / Der...

Poesie der Vielen

Zu den Höhepunkten der Lithurgie des Berliner Theatertreffens gehört am letzten Tag die Verleihung des Alfred-Kerr-Preises der gleichnamigen Stiftung, den – so will es die Tradition – stets ein*e namhafte*r Schauspieler*in eine*r möglichst junge*n Kolleg*in verleiht. Direkt danach findet die öffentliche Schlussdiskussion der Kritikerjury statt – ein Umstand, der...

Wien: Zahnlose Zombies

Sie sehen aus, als wären sie einer «Körperwelten»-Ausstellung entsprungen, die Muskelstränge sind freigelegt, das Skelett zeichnet sich am Brustkorb ab, fahle Haarbüschel bedecken ihre bleichen Schädel: Drei Wesen, die mehr tot als lebendig scheinen, torkeln auf die Burgtheater-Bühne (Kostüme: Victoria Behr). Stéphane Laimé hat einen weiteren Balkon gebaut und...