Hannover: Das leise Grienen
Es beginnt mit einem Lächeln. Mit einem von dieser beiläufigen, fast privaten Sorte, wenn Schauspieler anzeigen wollen, dass sie ihre Sache locker angehen. Und es ist auch ein Bild, das Ironie verträgt: wie Sarah Franke als Hedda Gabler da auf einem schwarzen Schwan hereingeschoben wird, wie ein Lohengrin-Zitat. Dafür also ein Lohengrienen.
Und auch für den Gelehrtenballast, den sie sich hernach mit Tesman (Silvester von Hösslin) um die Ohren hauen wird: in ihrem scholastischen Gespräch über das biedere Eigennutzenprinzip der Nationalökonomen und Heddas Wunsch, Grenzen zu überschreiten und Moral und Gesetz hinter sich zu lassen.
Regisseur Alexander Eisenach liest Henrik Ibsens «Hedda Gabler» durch die Brille von Nietzsche. «Jeder progressive Mensch ist ein Verbrecher, Tesman!», sagt Hedda. Und Hedda sucht diesen verbrecherischen Ausbruch, die radikale Tat. Sie, die sich mit dem mittelmäßigen Hochschuldozenten Tesman verheiratet hat und nun in die Krise gerät, weil ihre einstige Flamme, der genialische Kulturtheoretiker Lövborg, zurückkehrt und Tesman die erhoffte Professur streitig macht. Sie wird Lövborg zerstören, aus Eifersucht, aus Wohlstandsambition, und eben auch aus dem ...
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Theater heute Juli 2018
Rubrik: Chronik, Seite 52
von Christian Rakow
0 : V O R H E R
Not like the brazen giant of Greek fame
With conquering limbs astride from land to land
Here at our sea-washed, sunset gates shall stand
A mighty woman with a torch, whose flame
Is the imprisoned lightning, and her name
Mother of Exiles. From her beacon-hand
Glows world-wide welcome; her mild eyes command
The air-bridged harbor that twin cities frame.
«Ke...
Wehmütig flockt eine Melodie durch den verlassenen Raum. Sehr lang sei es her, verkündet der Refrain, «it is a very long time, a very long time ago». Was lange her ist, verkündet er nicht. Das müssen der stille Ort und seine merkwürdigen Menschen, die nach und nach und mit Teetassen bewaffnet auf die Bühne tröpfeln, schon selber erzählen.
Schau- und Werkplatz...
TH Anfang dieses Jahres hat die Journalistin Petra Kohse in einem Artikel in der «Berliner Zeitung» die These aufgestellt, dass «‹Freie Kunst› sich heutzutage durch Effizienz und Internationalität» auszeichne. «Das kann die Institutionskunst von ihr lernen. Das künstlerische Experiment indessen findet innerhalb der subventionierten Häuser statt», schreibt die...
