Diskurs: Ochsen und Bullen

Theater in der Provinz – eine Tagung in Memmingen

Theater heute - Logo

Der bunt verzierte Kopf eines Rindviehs thront auf dem Plakat mit dem Titel «Künstlerische Vielfalt und kulturelle Teilhabe als Programm? Perspektiven für Theater in der Provinz». Eine Metapher, die in der Theaterlandschaft weit mehr assoziiert als Spielorte hinter Rinderweiden im ländlichen Raum. Das Alpha des griechischen Alphabets symbolisiert die Hörner des Stiers, der seine Freiheit eingebüßt hat, denn der Querstrich im Buchstaben A ist sein Joch. Der Bulle ist also domestiziert und kastriert, somit ein Ochs.

 

Die Frage, wer der tonangebende Bulle und wer der domestizierte Ochse im Theater ist, wurde auf der vom Landestheater Schwaben in Mem­mingen (Silvia Stolz) und dem Institut für Kulturpolitik der Uni Hildesheim (Wolfgang Schneider, Katharina Schröck) organisierten Tagung heftig diskutiert. Die anwesenden Theaterleitungen sonnten sich, wenn überhaupt, dann nur noch ansatzweise in ihrer künstlerisch-autonomen Alleinherrschaft und schienen sich von Kulturvermittlern und der Freien Szene befruchten zu lassen; Gruppierungen, denen gerne mal Autonomiepotenz und Hochkulturstatus aberkannt wird und die so – bleibt man in der Metaphorik – traditionell eher den Ochsen zugeordnet ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Theater-heute-Artikel online lesen
  • Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Theater heute Juni 2018
Rubrik: Magazin, Seite 68
von Julius Heinicke

Weitere Beiträge
Zürich: Narren als Könige

Regieren kommt von Gier. Da hat der Herzog Vincentio erstens recht und zweitens den wunden Punkt so ziemlich aller Staatssysteme getroffen, die vor und nach William Shakespeare denkbar waren. Nur Vincentio selbst, dem ist die ewige Volksbeherrscherei lästig. Auch scheint das Gros der Untertanen seinen Stil, das Laissez-faire, kaum noch zu schätzen. Also verordnet...

Freie Szene: Ende des Hypes

Der Hype ist vorbei, zumindest in Leipzig. Zwei Jahre lang haben das Theaterkollektiv copy & waste und das Schauspiel sich im Rahmen einer Doppelpassförderung durch die Kulturstiftung des Bundes in «Ceci n’est pas un HYPE!» mit Hypezig, dem besseren Berlin und all den anderen Etiketten beschäftigt, die der zweitgrößten Stadt in Ostdeutschland von innen und außen...

Bildet neue Banden!

Der einzige Ausweg der Männer ist der Weg der Bande», heißt es einmal in August Strindbergs «Der Vater». Eine solche Männerbande stapft auch durch Nicolas Stemanns Inszenierung des Dramas: sieben Kerle mit prächtigen Vollbärten und Holzfällerhemden, die volltönend launiges Liedgut anstimmen wie «Ein Prosit der Gemütlichkeit» und «Olé, wir fahrn in Puff nach...