Heldendämmerung

Der polnische Kulturminister streicht dem Theaterfestival Malta willkürlich bereits bewilligte Gelder

Als polnischer Minister für Kultur und nationales Erbe hat man es wirklich nicht leicht. Seit Jahrhunderten bedrohen feindliche Mächte die nationale Einheit des Landes. Gleichzeitig ist der Olymp der legendären Widerstandskämpfer und Nationalhelden personell längst überlaufen, weshalb sich die zeitgenössischen nationalkonservativen Regierungsvertreter mit einer Nischenexistenz in der Ruhmeshalle für Gott, Ehre und Vaterland abfinden müssen. Johann III. Sobieski besiegte das osmanische Heer, Papst Johannes Paul II.

den Kommunismus, und Piotr Glinski verteidigt gerade standhaft «die grundlegenden Prinzipien der sozialen Koexistenz, deren Schutz in kultureller Hinsicht die Pflicht des Ministers für Kultur und nationales Erbe ist», gegen den kroatischen Theaterregisseur Oliver Frljic. Dessen Arbeit, so Glinski, «entmutigt und entfremdet einen großen Teil des Publikums vom Theater und verstärkt dessen teuflisches Bild in der Gesellschaft als Institution, in der demoralisierte Nihilisten die Werte beschmutzen, die ihrem Publikum heilig sind».

Umgekehrt ist es für demoralisierte Nihilisten natürlich schwierig, das pathetische Kauderwelsch, das Jaroslaw Kaczynskis Partei «Prawo i ...

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Theater heute August/September 2017
Rubrik: Editorial, Seite 1
von Anja Quickert

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Daten 8-9 2017

Aachen, Grenzlandtheater
21.9. Highsmith, Der talentierte Mr. Ripley
R. Catharina Fillers
28.9. Hübner, Willkommen
R. N.N.

Aachen, Theater
21.9. Macmillan, Atmen
R. Stefan Herrmann
29.9. Goethe, Die Leiden des jungen Werther
R. Nick Hartnagel
30.9. nach Kästner, Fabian oder Der Gang vor die Hunde
R. Christian von Treskow

Altenburg/Gera, TPT
29.9. nach Baum, Menschen im...