Italien: Verzweifelte Vitalität
Turin gilt zur Zeit als die coolste Stadt Italiens. Selbst im Nasskalten entfaltet die Architektur der einstigen Landeshauptstadt ihre eigene Eleganz. Turin ist eine reiche Stadt mit einem anspruchsvollen bürgerlichen Theaterpublikum. Seit mehr als acht Jahren ist Mario Martone Künstlerischer Leiter des Teatro Stabile di Torino. Schwierige Jahre, denn die öffentliche Finanzierung des Hauses wurde um mehr als 50 Prozent gekürzt. In der gleichen Zeit gelang es aber, die «sonstigen Einnahmen» zu verdoppeln, die Zuschauerzahlen zu verdreifachen und 2015 zum Nationaltheater zu avancieren.
Martone – Jahrgang 1959, Neapolitaner – hat in den Achtzigerjahren mit seiner Experimentaltheatergruppe Falso Movimento die Szene aufgemischt und sich später auch als Filmemacher und Opernregisseur einen Namen gemacht. Das Gespräch mit Sabine Heymann fand nach der Generalprobe zu Martones «Dantons Tod»-Inszenierung statt.
Sabine Heymann In Ihrer Inszenierung von «Dantons Tod» ist keine Spur von Aktualisierung zu finden. Wenn man sich an Ihre post-avantgardistischen Anfänge mit Falso Movimento erinnert, ist das schon überraschend.
Mario Martone Büchners Text ist doch eine Art Prisma seiner Zeit ...
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Theater heute Juni 2016
Rubrik: Magazin, Seite 69
von Sabine Heymann
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