Der Kompass zittert
Irgendwann während der Lektüre von Roland Schimmelpfennigs erstem Roman «An einem klaren, eiskalten Januarmorgen zu Beginn des 21. Jahrhunderts» werden einem mit Sicherheit Titel früherer Theaterstücke des Autors einfallen: «Aus den Städten in die Wälder, aus den Wäldern in die Sädte» etwa; dann vielleicht «Für eine bessere Welt» oder «Die vier Himmelsrichtungen», «Ende und Anfang» oder «Das Reich der Tiere».
Mit all diesen Titeln lässt sich der irdische Kosmos abstecken, in dem sich dieser Roman ereignet, und wir begegnen solchen Figuren wieder, wie wir sie von der Bühne kennen. Es ist der Ort gleich nebenan, den man übersieht und an dem sich Weltstürzendes im banalen Alltag der Menschen ereignet; es sind diese Menschen, an denen wir vorübergehen, unerkannt und uninteressiert, mit und in denen jedoch im selben Moment eine ungeheuere Veränderung stattfindet: Das Leben gerät aus den Fugen, der vertraute Boden unter den Füßen beginnt zu schwanken.
Tatsächlich führt Schimmelpfennig seine Helden von den Rändern der Stadt hinein nach Berlin und immer wieder zurück, in alle Richtungen, die der zitternde Kompass anzeigt; diese Frauen und Männer, die sich an Wünschen festklammern, ...
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Theater heute März 2016
Rubrik: Magazin, Seite 70
von Bernd Noack
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