Frau Staatsanwältin Prospero
Ein Netz aus Wogen türmt und senkt sich: Schwere See im Theater Freiburg. Am schwarzen Himmel schwebt Ariel ein. Der Luftgeist zetert, zerrt vier Schiffbrüchige aus den Wellen, befördert das Quartett mit einem Tritt an Land. Auf Prosperos von unten illuminierter Zauberinsel stranden: König Alonso von Neapel (Ullo von Peinen), sein Bruder Sebastian (Albert Friedl), Mailands Herzog Antonio (Jens Bohnsack), der sich gegen Prospero auf den Thron geputscht hat.
Begleitet werden sie von ihrem schlechten Gewissen, dem Ratgeber Gonzalo (Ueli Schweizer), der Prospero und Töchterchen Miranda einst heimlich vor dem Hungertod bewahrt hat.
Nun hat dieser Herrscherzirkel abgewirtschaftet. Aufreizend apathisch lassen sie die Macht sausen, die sie sich unter brutaler Ausbootung Prosperos, dem wahren Herzog von Mailand, erschlichen haben. Sie tragen lächerliche Halskrausen auf bloßer Brust und kauern meist tatenlos auf dem mit Netzranken bespannten Inselgeviert, das spitz, doch unverkennbar elisabethanisch ins Große Haus ragt – ein großartiges Bühnenbild der israelischen Künstlerin Penny Hes Yassour.
Nicht ganz unwichtig in dem Zusammenhang, dass Prospero und Ariel in Jarg Patakis Freiburger ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Theater-heute-Artikel online lesen
- Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Besser hätte das Jahr kaum anfangen können. Anfang Februar wurde Birgit Minichmayr mit Martin Kusejs Wiener Inszenierung «Der Weibsteufel» zum Berliner Theatertreffen eingeladen. Mitte des Monats bekam sie ihren ersten Filmpreis, als die Berlinale-Jury sie für ihre Rolle der Gitti in Maren Ades Beziehungsdrama «Alle anderen» mit dem Silbernen Bären auszeichnete....
Ein gründerzeitliches Tableau vivant. Das ist Robert Walsers Erfinderfamilie Tobler in Luzern: apart verteilt im mehrstöckigen Entrée der Villa «Abendrot», einem prächtigen Treppenhaus von Werner Hutterli, reglos erstarrt. Was sich bewegt, ist in dieser ersten Szene einzig der Gehülfe: Wirsich, der gehen muss und seinen Koffer packt. Hose, Hemd – nur nicht die...
Es gibt diese Saison zwei viel diskutierte Produktionen zu historisch-politischen Komplexen, von denen eine zum Theatertreffen eingeladen wurde, die andere nicht. Während Volker Löschs trivial-demagogische Umarbeitung von Peter Weiss’ «Marat/Sade»-Stück («Marat, was ist aus unserer Revolution geworden?») mit der Einladung die Ehre erhielt, «bemerkenswert» genannt...
