Zweite allgemeine Verunsicherung

© Henschel SCHAUSPIEL Theaterverlag, Leipzig 2015

Theater heute - Logo

«Wahrscheinlich trage ich eine furchtbare Schuld, aber meine Gedanken sind ganz durcheinander, meine Seele ist in Trägheit erstarrt, und ich habe nicht die Kraft, mich zu verstehen.» (Iwanow)



1.

MEIN MANTRA

Ich bin ein Mensch, ich bin ein Mensch, ich bin schon erwachsen, ich bin schon erwachsen, ich bin okay, das ist mein Mantra, das ist mein Mantra, das ist mein Mantra, das ich ständig vor mich hin, auch jetzt, auch du bist ein Mensch, auch ich bin ein Mensch, auch ich bin ein Mensch, der das Recht hat, das zu machen was andere Menschen auch, auch ich habe das Recht, genau so wie alle anderen, genau so wie alle anderen zum Beispiel, ich kann mir zum Beispiel ein Zitronenerfrischungsgetränk aus dem Automaten oder auch nicht und das tue ich jetzt auch, ich hole mir keins, aber es hilft mir nicht.

Auf einmal überkommt mich das wieder, diese Unsicherheit, die mich ja auszeichnet, mit der ich mich selbst auszeichne, zu der ich stehe, stehen will, ich habe mir an einem ganz bestimmten Tag in meinem ganz bestimmten glaube-ich-Leben ganz bestimmt vorgenommen, glaube ich, auch wenn andere anderes behaupten, so, ab jetzt heute stehe ich zu meiner Unsicherheit, weil ich so bin, weil ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Theater-heute-Artikel online lesen
  • Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Theater heute Februar 2016
Rubrik: Stück, Seite 99
von Felicia Zeller

Weitere Beiträge
Gekommen, um zu helfen

Okay, im Deutschen Schauspielhaus Hamburg wird keine Bombe geworfen. In Federico Fellinis Porträt einer dem Untergang geweihten Schiffsgesellschaft «E la nave va» (1983) dagegen schon. Dort schleudert sie am Vorabend des Ersten Welt­kriegs ein serbischer Jugendlicher, der mit mehreren Dutzend gerade erst aus Seenot geret­teten Leidensgenossen nach dramatischen...

Göttingen: Liebe in Zeiten von Easyjet

Die Globalisierung hat auch ihre lustfördernden Seiten: Sextourismus war noch nie so einfach wie heute. Rebekka Kricheldorfs «In der Fremde» versammelt ein paar besonders spektakuläre Exemplare westlicher Alltagssexisten, die in Thailand, Mexiko oder Jamaica ihre überlegene Wirtschaftskraft potenz- oder zumindest frequenzsteigernd einsetzen. Ihr überbordender...

München: Ost-westlicher Weltanschauungsdivan

Doppelter Dostojewski in München: Christian Stückl inszeniert «Schuld und Sühne» am Volkstheater, und Christopher Rüping gibt mit «Der Spieler» seinen Einstand an den Kammerspielen. Mit seinen ausschweifenden Romanen aus dem prärevolutionären Russland liefert Dostojewski nach wie vor ergiebiges Ansichtsmaterial für desillusionierte Westeuropäer angesichts wankender...