Vom Gebrauch des Menschen
In Christian Petzolds Filmen wird wenig gesprochen und viel gezeigt: Gesichtslose Stadt- und Landschaftsräume in Wolfsburg oder Jerichow, Durchgangsstationen einer unwirtlichen Moderne, durch die sich Menschen wie Zombies einer entfremdeten Gegenwart bewegen. Gespensterreiche, aufgeladen mit den sprechenden Requisiten einer gleichgeschalteten Konsumwelt. Im Deutschen Theater und bei seiner ersten Bühnenarbeit verzichtet Petzold auf jede konkrete Verortung.
Einen Vanilla Cube in perspektivischer Verjüngung hat er sich von Henrik Ahr bauen lassen, zart changierend ausgeleuchtet und abgeschlossen durch ein Bild des nächtlichen Berliner Urbankrankenhauses, auf dessen strukturelle Ähnlichkeit mit einer ernüchterten Böcklinschen Toteninsel ein Einlegebildchen im Programmheft nachdrücklich hinweist. Bei genauer Betrachtung erweist sich das Bild als Film, in dem in den nächsten zwei Stunden in Echtzeit fast unmerklich der Morgen graut, während Krähenschwärme lautlos über den Kanal vorm Spital flattern.
Eine Zentralperspektive ins Totenreich: genau der Blick, den die drei älteren Schnitzler-Alter-Egos auf ihrem einsamen Weg konsequent verweigern. Lieber starren sie wehmütig zurück, in ...
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Ein gründerzeitliches Tableau vivant. Das ist Robert Walsers Erfinderfamilie Tobler in Luzern: apart verteilt im mehrstöckigen Entrée der Villa «Abendrot», einem prächtigen Treppenhaus von Werner Hutterli, reglos erstarrt. Was sich bewegt, ist in dieser ersten Szene einzig der Gehülfe: Wirsich, der gehen muss und seinen Koffer packt. Hose, Hemd – nur nicht die...
Nacht vom 16. auf den 17.2. 2001 und Morgen 6 Uhr 35
Grausam. Gegen 23 Uhr wankte ich zum 1. Mal nach unten, auf der Treppe begegnete ich einer Ärztin, die mich ziemlich verstört den Hosenstall zumachen sah, ich wollte mich einfach richtig anziehen, danach Streit mit demWachmann, der mich nicht in den Fernsehraum lassen wollte, ekelhaft, reine Schurigelei, es sei...
Schon lange fällt auf, dass in der aktuellen Stückeproduktion geschichtliche Zusammenhänge zumeist ausgeblendet werden und der Problemfall «Familie» in der Regel als kurzatmiges Close-up inklusive einer obligatorischen Prise Inzest verhandelt wird.
Marius von Mayenburg dagegen kümmert sich um eine die Generationen übergreifende und das Leben einer Familie...
