Vom Abschaben der Hornhaut
Zauberhaft beleuchtet rieselt die Hornhaut von den alten Fersen. Fußpfleger Claude beugt sich innig über Frau Sandbergs Fuß, dann sammelt er die zarten Körnchen ein und verschließt sie behutsam in einer Metalldose. Am nächsten Tag wird er Frau Sandberg knusprige Kekse in Herzform ins Altersheim mitbringen. Ihren unvergleichlichen Geschmack verdanken sie einem «Geheimnis», das er in sie hineingebacken habe, verrät Claude schalkhaft lächelnd. Frau Sandberg glüht vor Glück.
Die schräge Liebe zwischen Claude, Michael Maertens mit bauschig aufgefönter Haartolle und treuherzigem Dackelblick, und Margit Carstensens bedürftiger und stolzer Einsamkeitskönigin im Altersheim gehört zu den schönsten Episoden in Frauke Finsterwalders schönem, schrecklichem, komischem, zynischem und zärtlichem Debütfilm «Finsterworld», dessen Titel nicht zufällig sehr nah am Namen seiner Regisseurin gebaut ist. So nah wie die Initialen einer ihrer zwölf Episodenfiguren, die Franziska Feldenhoven heißt und Dokumentarfilmerin ist, was Frauke Finsterwalder bis zu diesem Film auch war. Sandra Hüller spielt sie so verpeilt, verbiestert und ungekünstelt, wie nur sie es kann. Irgendwann steht sie im dunklen Wohnzimmer ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Theater-heute-Artikel online lesen
- Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Theater heute Oktober 2013
Rubrik: Magazin: Filmstart am 17.10, Seite 69
von Barbara Burckhardt
Eine Frau und ein Mann sitzen an einem Tisch. Er fragt, sie antwortet nicht nur mit ja oder nein, so die Verabredung. Es funktioniert nicht gleich auf Anhieb. Erst weicht sie aus, wehrt ab oder greift im Gegenzug an, um schließlich doch Intimes preiszugeben. Eine Feier des Gewesenen, das bei aller elegischen Verklärung ein subtiles Grauen verströmt, und ein...
Altern an sich ist schon eine lästige Angelegenheit. Aber es gibt nichts Lästigeres, als in der Haut eines alternden Genies zu stecken: zu wissen, dass einen seine Musik nach dem eigenen Ende unsterblich macht, zu fühlen, dass einen Amerika berauschen würde, und über alledem in Zürich stranden, vermutlich aufgrund einer notorisch klammen Reisekasse. Solche...
Torben Ibs Die sachsen-anhaltische Landesregierung will sparen. Die Theater in Halle, Dessau und Lutherstadt Eisleben sollen ab 2014 7 Mio. Euro weniger Landeszuschüsse bekommen. Was bedeutet das für die Bühnen?
Matthias Brenner Die Kürzungen bedeuten den Todesstoß für die Theater, zumindest in der Form, wie wir sie heute kennen. Das sind keine Kürzungen, die man...
