Sprung in der Erinnerung
Ein alter Mann und ein Mädchen begegnen sich in einer Bar. George, der sehnsüchtige Trinker, erliegt dem Blick der jungen Leila, der in seinen Augen die andere Seite der Welt erreicht. Die Amour fou nimmt ihren Lauf: Leila will weit weg gehen – und bei ihm liegen bleiben. Sie ist eine Prinzessin für George, die Möglichkeit, neu zu beginnen, aber vor allem der Beweis seiner Erbärmlichkeit. Abrupt wirft George sie aus seiner heruntergekommenen Wohnung, ihre Kleider ihr hinterher.
Zurück in der eigenen Behausung, horcht Leila auf die Schritte der Nachbarn über ihr.
Der kleine Junge und seine teilnahmslose Mutter Sybille sind ihr eigenartig vertraut. Gelegentlich kümmert sie sich um das Kind, ohne zu wissen, dass es ihr Halbbruder ist. Der rastlose Junge erinnert Leila an ihren Vater, seine ferne Herkunft Arabien und an das eigene Fremdsein.
Azar Mortazavis Figuren sind einsame Menschen, deren Sehnsucht immerfort in die Ferne geht. Das Drama «Ich wünsch’ mir eins» gleicht einer Suchbewegung. Die Szenen kreisen um Frauen und Männer, junge und alte, die zwar nicht in einer Situation verharren, diese jedoch leicht verschoben wiederholen. Leila läuft George hinterher, bietet ihm ihren ...
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Theater heute Jahrbuch 2012
Rubrik: Die neuen Stücke der Spielzeit, Seite 160
von Anja Sackarendt
A
nach Fatih Akin, Ruth Toma, Ralph Schwingel
Kebab Connection (Grips Theater Berlin)
Jorge Angeles
Ya Basta! (Theater Krefeld/Mönchengladbach)
Sefi Atta
Hagel auf Zamfara (Theater Krefeld/Mönchengladbach)
Auftrag:Lorey
Bouncing in Bavaria (Schauspiel Frankfurt)
Thomas Arzt
Alpenvorland (Landestheater Linz)
B
Jalila Baccar/Fadhel Jaibi nach Kafka
Der Prozess...
Ich war mir nicht ganz sicher, ob es mir gelingen würde, den Bogen von René Pollesch zu Else Lasker-Schüler zu schlagen. Bzw. umgekehrt. Der Gemeinsamkeiten sind wenige. Selbst die Einführung stilisiert exotischer Sehnsuchtsnamen, die es in beider Autoren Werk gibt – Jussuf von Theben, Pablo in der Plusfiliale –, ist jeweils komplett anders gemeint. Vielleicht kann...
PR-Profis würden wahrscheinlich resigniert in sich zusammensacken angesichts der halsbrecherischen Wege, die Frank Castorf – Langzeit-Ikone der zwischenzeitlich ins Schlingern geratenen Avantgarde-Marke Volksbühne Berlin – imagetechnisch so beschreitet. Anfang des Jahres – Castorf hatte gerade seinen Intendanten-Vertrag bis 2016, mithin ins Rentenalter hinein,...
