Rausch und Renitenz

Der Regisseur und ehemalige Volksbühnenschauspieler Herbert Fritsch weiß, wie es sich anfühlt, «vom Fenster weg» zu sein. Jetzt schaut er wieder fröhlich hindurch – und ist mit zwei eigenen Inszenierungen zum Theatertreffen eingeladen. Von Eva Behrendt

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Es war 1995 bei den Proben zu «Nibelungen – Born Bad». Herbert Fritsch, der den Hagen spielte, hatte sich als Kostüm ein Kettenhemd­röckchen, langes Blondhaar und schwarze Strumpfhosen ausgesucht. Als besonderen Clou bestellte er in der Schlosserei für jeden Auftritt ein immer größeres Schwert, das er schließlich in voller Bühnenbreite über die Szene schleifte. Da kam Frank Castorf auf die Idee, die Nibelungen am Schluss als Rocker auftreten zu lassen – «in Bluejeans», wie es noch im Jargon der späten DDR hieß.

Schon am nächsten Tag lag in Fritschs Garderobe ein Paar Jeans, das der Schauspieler nach kurzer Überlegung zusammenfaltete und aus dem Fenster in den Lichtschacht warf. «Wo sind deine Bluejeans, Herbert?», hieß es auf den Proben. «Ich hab dir doch welche hingelegt!» Fritsch überrascht: «Echt? Ich hab nix gesehen.» An den nächsten Tagen das gleiche Spiel: Jeans in der Garderobe, dann im Lichtschacht, zunehmend genervte Regie, betont ahnungsloser Schauspieler. Schließlich Castorf: «Ich zwing dich in die Gruppe.» Am Ende behielt Hagen sein Kettenhemd­röckchen an.

Auch nach 16 Jahren hat Herbert Fritsch noch seine helle Freude an dem Versteckspiel, mit dem er einst Castorf und ...

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Theater heute Mai 2011
Rubrik: Best of … Theatertreffen, Seite 6
von Eva Behrendt

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