Zwischenreiche
Der Hauptbahnhof Gelsenkirchen ist deprimierend. Überquellende Mülleimer, Geruch von altem Dö -ner, auf zwei Ebenen irgendwelche Shops, tätowiert herumstehende junge Männer. Und dann hat man das gelbe Schild mit dem QR-Code doch noch gefunden, steigt aufs selbst mitgebrachte Fahrrad und folgt den Pfeilen, die an Laternenpfählen oder Zäunen angebracht sind. Und befindet sich auf einmal, unerwartet schnell, mitten in unberührtem Grün.
Sieben «Naturbüro»-Podcasts haben loekenfranke aus Witten, eigentlich eine Filmproduktionsfirma, auf den rund sechs Kilometern nach PACT Zollverein verteilt; sie führen durch vorher nie wahrgenommene Waldwege, vorbei an verwunschenen Parks, friedlich grasenden Schafen, bodenständigen Brieftauben-Züchtern, der pittoresk altertümlich wirkenden Zechensiedlung Dahlbusch. Jeder der rund achtminütigen Audiobeiträge ist eine Naturbeobachtung mit ohrenbetäubendem Zwitschern. Vogelkundler werden befragt, Texte von Schauspielern gelesen, etwa ein herzzerreißender Brief von Rosa Luxemburg aus dem Gefängnis 1917, die erzählt, wie ihr der Gesang der Vögel Trost spendet. Die Pfeile führen durch Wege, die man alleine nicht finden, verwunschene Plätze, auf denen man ...
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Theater heute November 2021
Rubrik: Festivals, Seite 40
von Dorothea Marcus
Manfred Karge, Schauspieler, Stückeschreiber, Regisseur konnte (oft zusammen mit Matthias Langhoff ), von der Künstleragentur der DDR unterstützt, seit den 1970er Jahren im Westen arbeiten, u. a. an den von Claus Peymann geleiteten Bühnen in Bochum und Wien. Gemeinsam mit dem Dramaturgen Hermann Wündrich hat er im Berliner Ensemble unter der Intendanz Peymanns von...
Weder Seelenfrieden-Tee noch Putztherapie: Diesem Mann (Philippe Goos) ist nicht zu helfen. Er ist ein hektischer Hysteriker, ein dauernervöser Hypochonder, eine Drama-Queen, ein Herzinfarkt-Kandidat, eine Heulsuse. Er ist «Der eingebildete Kranke» aus Martin Heckmanns Molière-Überschreibung. Anne Lenk inszeniert das Stück – wie auch ihre zum Theatertreffen 2021...
Kay Voges ist seit der Spielzeit 2020/21 Intendant des Wiener Volkstheaters. Dass er seine Intendanz erst ein Jahr später antreten konnte, hatte nur zum Teil mit der Pandemie zu tun: Wegen der Generalsanierung des Hauses hätte er ohnedies erst im Januar 2021 starten können. Die groß angelegten Renovierungs- und Erneuerungsarbeiten – Kosten: zwischen 27,3 und 29...
