Zirkel, Keil, Kreis

Bertolt Brecht «Dreigroschenoper» beim Festival Aix-en-Provence, Comédie-Française

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Was macht der Mond über Soho? Er leuchtet, scharlachrot. Schwebt aber nicht liebevoll-frei, besänftigend über Menschen und Dingen. In ihm steckt ein Stachel, auch rund um den Himmelskörper gruppieren sich farbige Figuren, denen das Sentimental-Sehnsüchtige abgeht. Sie alle sind Teil eines Bühnenbildes von Magda Willi, das dem Suprematismus nachempfunden ist und die Welt in abstrakte geometrische Formen einteilt – in Zirkel, Keil, Kreis.

Auf diese projiziert Sébastien Dupouey in rasanter Folge Videos mit Bezug auf die vielfältigen künstlerischen, mehr aber noch politischen, sozialkritischen Topoi der Entstehungszeit jenes Stückes, das beim Festival d’Aix-en-Provence unter dem charmanten französischen Titel «L’Opéra de quat’sous» gezeigt wird, in der Neuübersetzung von Alexandre Pateau – und mit einem bislang unedierten Chanson für Celia Peachum.

Leider ist Letzteres ein entbehrliches Stück Musik, weder besonders originell noch stilistisch angemessen. Aber es passt zu einem Abend, an dem Regisseur Thomas Ostermeier weder die zartbittere Ironie noch die subversive Kraft findet, die die «Dreigroschenoper» auch beinahe hundert Jahre nach ihrer Uraufführung besitzen sollte, sprich: ihre ...

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Theater heute Oktober 2023
Rubrik: Chronik, Seite 58
von Jürgen Otten

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