Zeit der Sammler

Die Mainz-Wiesbadener Biennale «Neue Stücke aus Europa»

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Der schönste Satz auf diesem großen Festival für neue europäische Dramatik stammte dann aber doch von William Shakespeare, aus «Cymbeline», eingelassen in den belgischen Beitrag «Die Gehängten»: «Golden lads and girls all must, as chimney-sweepers, come to dust.» Ein Vers wie ein Meteor, heiß aufglühend, kalt im Abgang, weit durch die Zeiten geschossen.

Vom Tod, wenn wir uns mitten im Leben meinen, berichtet er uns, wie alle tiefe Poesie, mühelos mit winziger Alliteration (golden girls), aus einem zarten Hell-dunkel-Spiel der Vokale heraus, einmündend in einen Reim aus endloser Nacht. Wie verdichtet kann ein Schreiben sein? Aber Shakespeare verdichtet ja nicht nur. Durch den Auftritt der Schornsteinfeger (chimney-sweepers) im Satzgefüge atmet der Vers die Frischluft des Profanen, des Lebensnahen. So wird das Kunstvolle zur Kunst.

Peter Handke kann solche Sätze auch. «Die Menschen verschwinden, und die T-Shirts bleichen aus», heißt es in seiner Familienerinnerung «Immer noch Sturm» (dem jüngst mit dem Mülheimer Dramatikerpreis gekürten österreichischen Festivalbeitrag, TH 10/2011). Handke und Shakespeare, mein Gott. Das fühlt sich ein bisschen nach Benn’schem Dichterpathos an: ...

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Theater heute August/September 2012
Rubrik: Festivals, Seite 14
von Christian Rakow

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