Zampano gesucht
Sponsoren weg, Geld weg, Kinos weg, das große Hollywood-Kino schon lang nicht mehr da, jetzt ist auch das Leitungsteam auf und davon: Die Berlinale ist in der Polykrise, gelinde gesagt. Zu behaupten, dass allein Claudia Roth die Schuld daran trägt, wäre nicht fair. Aber falsch gemacht, was man falsch machen kann, hat sie schon. Wer rekonstruieren will, wie alles kam, muss mit Dieter Kosslick beginnen.
Gelernter Sozialdemokrat, ein Mann aus der Filmpolitik, keine Ahnung von ästhetischen Fragen, aber begabt mit jener untergriffigen Leutseligkeit, die in Deutschland da, wo es zählt, bei den Geldgebern aus Politik und Wirtschaft nämlich, bestens ankommt.
Neunzehn Jahre hat er die Berlinale geleitet, eifrig Geld akquiriert, sinnlose Nebenreihen nach eigenem Gusto («kulinarisches Kino») geboren und den Ruf des Wettbewerbs unter jenen, die sich tatsächlich für das Kino als Kunst interessieren, so ziemlich komplett ruiniert. Es gab gute unter seinen Berater:innen, darum immer auch Filme, die state of the art waren, aber im Gesamttableau sah man stets, dass hier einer in Inhalt und Form richtungslos, dafür sehr offen für die Einflussnahmen der deutschen Filmbranche war. Letzteres ist zwar ...
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Theater heute Oktober 2023
Rubrik: Foyer, Seite 1
von Ekkehard Knörer
98.171 Senkkopfschrauben, 2147m2 Gipskartonplatten, 55 Kästen Bier – dies ist nur ein kleiner Auszug aus der eindrucksvollen Materialbilanz, die die Technikabteilung des Gerhart-Hauptmann-Theaters Görlitz, das in der vergangenen Spielzeit unter einem schweren Wasserschaden litt, auf einer Seite im Programmheft zu «Malfi!» zieht. Tatsächlich haben die Gewerke für...
Man muss ein Mensch sein.» Was ist ein Mensch? Ist der Mensch ein Tier? Ein Mensch sein – eine große Aufgabe. Eine Frau sein, eine noch größere? Die Fragen könnten nicht grundsätzlicher sein, der Bühnenaufwand nicht geringer. Ein leerer Wohnzimmerkasten mit Sofa und Schreibtisch, in der Mitte eine Schiebetür, das ist alles. Große Fragen, wenig Worte. «Man darf kein...
Tun wir es wieder / Und wieder / Und wider die Natur», singen Géraldine Schabraque und Sarah Plochl in der Kantine, die als Treffpunkt der queeren Subkultur im nationalsozialistischen Hamburg fungiert. «Wider die Natur» verbindet als elektronisch grundierter TripHop «Die Namenlosen – Verfolgt in Hamburg» aus seinem historischen Bezug heraus mit der Gegenwart. Er...
