«Wir wissen nicht, wie Theater funktioniert»

Wenig Geld, starke Konkurrenz, wegen Renovierung geschlossen: Kay Voges erklärt, warum er trotzdem Intendant des Wiener Volkstheaters geworden ist

Theater heute - Logo

Wolfgang Kralicek Herr Voges, als Sie im April 2019 von der Stadt Wien eingeladen wurden, sich für die Intendanz des Volkstheaters zu bewerben, hatten Sie es noch nie von innen gesehen. Wann waren Sie denn zum ersten Mal drin?

Kay Voges Das war im Mai letzten Jahres. Damals lief gerade nichts, weil das Haus an die Wiener Festwochen vermietet war, Ersan Mondtag probierte das «Hass-Triptychon» von Sibylle Berg. Ich ging in den Saal rein und bekam Herzklopfen, weil das Volkstheater dem Hamburger Schauspielhaus so ähnlich ist.

Zwei Monate vorher hatte ich in Hamburg «Die Stadt der Blinden» gemacht und gedacht: Das ist eines der schönsten Theater in Deutschland. Und auf einmal gibt es das gleiche Theater noch einmal in Österreich! Es war Liebe auf den ersten Blick. Weil dieses Haus aussah wie die Geliebte, die man einmal hatte.

WK Das notorisch unterdotierte Volkstheater ist seit langem das Problemkind unter den Wiener Großbühnen. Was haben die Leute denn so gesagt, mit denen Sie über das Volkstheater geredet haben? «Schwierig», nehme ich an.

Voges «Schwierig» habe ich oft gehört, ja. Aber die Situation war ja schon eine andere, durch die zwei zusätzlichen Millionen, die die ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Theater-heute-Artikel online lesen
  • Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Theater heute Jahrbuch 2020
Rubrik: Aussichten auf die neue Saison, Seite 132
von

Weitere Beiträge
Der gewöhnliche Rassismus

Leicht und heiter ist der Beginn, schwer und düster das Ende von Thomas Freyers neuem Stück. In drei ganz unterschiedlich strukturierten Teilen geht Freyer der Frage nach, woher rassistisch motivierte Gewalt in unserer Gesellschaft kommt. Pointiert und dialogisch geschrieben, ähnelt der erste Teil einer Exposition zu einer Gesellschaftskomödie à la Yasmina Reza....

Der große Hack

Vor fast genau vier Jahren veröffentlichte «ZEIT Online» ein erstaunlich wenig öffentlich wahrgenommenes Interview. In dem Gespräch stellte Antonio Garcia Martinez, vormals Product Manager bei Facebook, ein Buch über seine Erfahrungen in der Konzernzentrale vor. Seine Schilderungen sind bis heute lesenswert. Nicht nur, weil Mark Zuckerberg, mehr als wohl jeder...

Rätselhafte Paralyse

Ich bin nicht souverän. Kann es nicht sein, noch immer nicht, obwohl die Freiräume wieder größer werden. Die Zeit arbeitet für uns, denkt man, beruhigt man sich. Ja, wir werden wieder Theater spielen. Der Spuk wird ein Ende haben. Aber souverän? NEIN. Ich schaffe das nicht, denn ich muss zugeben, dass ich verstörende Tendenzen in meiner Psyche entdecken musste, auf...