«Wir werden gestochen, weil wir so schön quieken»
Was soll abgeholzt werden? Ranjewskajas Kirschgarten natürlich. Warum? Weil sie Schulden hat und er nutzlos ist. Warum darf er nicht abgeholzt werden? Weil er alt und schön ist. Was soll abgeschafft werden? Das Schauspiel der Stadt Wuppertal. Warum? Siehe oben. Und warum nicht? Siehe Tschechows «Kirschgarten». Die Gleichung geht fast vollständig auf. Das Wuppertaler Schauspiel will nach den existenzbedrohenden Sparplänen der Stadt seine Existenzberechtigung nachweisen mit einem Stück über den Untergang des Schönen und Nutzlosen.
Zu Beginn seiner zweiten Spielzeit als Schauspielintendant setzt Christian von Treskow Tschechows Abschiedsstück auf den Spielplan, mit Selbstironie, aber ohne Larmoyanz.
«Das Neue sind wir»
Auf der Bühne des Wuppertaler Opernhauses steht eine Schachtel, eine große Kiste (Bühne:
Jürgen Lier). Die Klappe fällt, und wir sehen: Im Inneren der Schachtel steht das gesamte «Kirschgarten»-Personal in einem winzigen Zimmer – wie Erwachsene in einem Kinderzimmer, Menschen in einem Puppenhaus. Herausgewachsen sind sie aus den alten Verhältnissen. Im zweiten Akt ist der Kasten ganz auf die Hinterbühne entschwunden, aber ein langer Laufsteg führt herab, auf dem ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Theater-heute-Artikel online lesen
- Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Theater heute Februar 2011
Rubrik: Report, Seite 42
von Gerhard Preußer
Es war wohl nur eine Frage der Zeit, wann sich Viktor Bodó und seine Szputnik Shipping Company, das russische Raumschiff im Namen, Michail Bulgakows Roman «Der Meister und Margarita» zuwenden würden. Für Voland, den handlungsantreibenden Satan, ist Fliegen kein Problem. Als schwarzer Magier landet er im Moskau der 1930er Jahre und bringt durch seine Teufeleien den...
In jedem Zimmer des alten Bauernhofs, auf dem Franz Xaver Kroetz lebt, steht eine Schreibmaschine, die nur darauf wartet, dass der Dramatiker endlich wieder saftige Dialoge in sie hämmert. Vergebens: Kroetz hat die Dramenproduktion eingestellt. Er mag nicht mehr, es fällt ihm nix mehr ein, und an sich wäre das auch gar kein Problem: Kroetz hat in seinem Leben ja...
Doch, das sieht schon verdammt cool aus: Die Bühne soll ein Altersheim darstellen, wirkt aber dank der Rundum-Vergitterung wie die Hochsicherheitszelle für den Joker im Batman-Film «The Dark Knight». Dementsprechend scheint Mephisto in den Schminktopf von Heath Ledger gefallen zu sein, wenn er pferdefußschlurfend mit punkrockerstrubbeligem Blondschopf über die...
