«Wir sind die Zukunft!»

Mit Carlo Chatrian hat die Berlinale wieder eine intellektuellere, cineastischere Ausrichtung – und zeigt, dass nicht nur das Theater, sondern auch der deutsche Film diverser wird

Dieser Film hat etwas Inzestuöses, und eine ganze Weile bleibt unklar, ob das jetzt eher lustig ist oder nervt. Die Schauspielerin Nina Hoss spielt die Theaterautorin Lisa, verheiratet mit einem Internatsdirektor in einem stinkreichen Schweizer Luftkurort und Mutter zweier Kinder. Sie leidet an einer Schreibblockade, seit ihr alleinstehender Zwillingsbruder Sven, verkörpert von Lars Eidinger, in Berlin an Krebs erkrankt ist.

Wie der reale Lars hat auch Sven an der Schaubühne über dreihundert Mal den Hamlet gespielt, in der Regie von Thomas Ostermeier, der hier einen einfühlsam-ignoranten Intendanten namens David spielt und früher mit Lisa liiert war. Nur ein paar Drehbuchverschiebungen trennen die Fiktion von der Realität, in der die ehemaligen Ernst-Busch-Schüler*innen Eidinger, Hoss und Ostermeier ja tatsächlich Teil der Schaubühne sind.

Theater im (Mainstream-)Kino ist oft ein Klischee, steht für die leicht kitschige Idee einer besonders authentischen Kunsterfahrung. Im Berlinale-Wettbewerbsbeitrag «Schwesterlein» zeigen die Schweizer Regisseurinnen (und ehemaligen Schauspielerinnen) Stéphanie Chuat und Véronique Reymond den Kontext Schaubühne jedoch bei aller spürbaren ...

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Theater heute April 2020
Rubrik: Berlinale 2020, Seite 34
von Eva Behrendt