Wien: Ein Fremdenhasser zum Liebhaben

Peter Turrini «Fremdenzimmer» (U)

Früher war Liebe bei Peter Turrini eine Kampfansage. Auf einer Müllhalde («Rozznjogd»), im Kaufhaus («Josef und Maria») oder in der Berghütte («Alpenglühen») kamen die seltsamsten Paare zusammen, und immer stellten sie die kleinstmögliche Form von Bandenbildung dar: zwei gegen den Rest der Welt. Das Rentnerpaar aus seinem neuen Stück «Fremdenzimmer» hat seine besten Jahre lange hinter sich, nicht einmal eine Beziehungskrise haben sie noch, da müsste man ja reden.

Der frühpensionierte Postbeamte Gustl (Erwin Steinhauer) und die Ex-Kellnerin Herta (Ulli Maier) leben in einer Wiener Gemeindewohnung nebeneinander her und pflegen ihre Hobbys: Sie füttert Spielautomaten und singt Karaoke («The winner takes it all»), er widmet sich seinen Modellflugzeugen. Und plötzlich steht ein Syrer im Wohnzimmer. 

Der junge Mann (Tamim Fattal) heißt Samir und spricht kein Wort Deutsch. Herta und Gustl wiederum können kein Englisch, was jede Konversation zur Einbahnstraße macht. Samir darf am Schluss zwar die dramatische, so ähnlich inzwischen oft gehörte Geschichte seiner Flucht erzählen, aber viel erfahren wir nicht von ihm. Seine Rolle im Stück ist eher die des Eisbrechers: Durch den Eindringling ...

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Theater heute Mai 2018
Rubrik: Chronik, Seite 61
von Wolfgang Kralicek