Wien: Der Dichter und sein Henker
Die Paradoxie des Begriffs «aufgeklärter Absolutismus» bringt E.T.A. Hoffmann in seinem Märchen «Klein Zaches genannt Zinnober» (1819) satirisch auf den Punkt: Die Geschichte fängt damit an, dass ein Fürst per Dekret die Aufklärung einführt. Zugleich werden alle Feen als «Feinde der Aufklärung» des Landes verwiesen. Eine von ihnen rächt sich für die Schmach, indem sie einen kleinwüchsigen, missgestalteten Knaben namens Zaches – genauer gesagt: dessen rote Haare – mit Zauberkräften ausstattet.
Obwohl dieser nach wie vor nicht nur mit einem unattraktiven Äußeren, sondern auch mit einem denkbar uncharmanten Wesen ausgestattet ist, fliegen ihm jetzt die Herzen zu. Ganz offensichtlich von anderen erbrachte Leistungen werden ihm zugeschrieben, und Klein Zaches, der sich inzwischen Herr Zinnober nennt, bringt es in kürzester Zeit zu Ministerwürden. Nur der Student Balthasar ist immun gegen den Hokuspokus, und mit Hilfe eines Magiers gelingt es ihm am Ende, Zinnober zu entzaubern.
Ein unqualifizierter Rüpel mit wunderlichen Haaren, der mit dreisten Methoden Karriere macht: Hoffmanns böse Polit-Parabel ist eine Steilvorlage für eine saftige Trump-Satire. So einfach aber macht es sich Péter ...
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Theater heute April 2017
Rubrik: Chronik, Seite 60
von Wolfgang Kralicek
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