Wie viel Freiheit hat der Wille?
Der Kampfpilot einer nicht genau verorteten Luftwaffe – es kann sich um jedweden Krieg handeln – erkennt bei einem Einsatz, dass sein Abschussziel eine Schule ist, er verweigert den Befehl, dreht mit der Maschine ab, um die Bombe über dem Meer abzuwerfen. Jahrzehnte später stellen zwei Künstler*innen – unabhängig voneinander– auf der Biennale di Venezia – Werke aus, die sich auf dieses Ereignis beziehen.
Die Befehlsverweigerung des Piloten verändert nicht den Verlauf des Krieges, hat aber trotz allem weitreichende Folgen.
Die israelische Autorin Maya Arad Yasur erzählt mit «BOMB» die Geschichte einer Verweigerung. Sie fächert nach und nach die Dimensionen dieser Insubordination auf, die die Lebensläufe von Menschen beeinflusst, die auf den ersten Blick Unbeteiligte zu sein scheinen. Sie sind nur Passanten der Ereignisse, aber eben auch Zivilisten in einem Kriegsgebiet.
Dieser Krieg kann überall auf der Welt stattfinden: «In einem Dorf im Irak oder in Namibia oder in Tel Aviv im Ersten Weltkrieg oder in Dresden im Zweiten Weltkrieg oder im Südlibanon …», heißt es im Stück. Da ist Eatherly, ein Kampfpilot, der zunächst einmal das Allmachtsgefühl genießt, als er von seinem Cockpit ...
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