Wie hältst du’s mit der Religion?
Bei der Frage nach der Kostümbildnerin des Jahres hat sich Katrin Wolfermann schon mal in eine recht gute Position gebracht. Sandra Gerlings Gruschenka trägt in Oliver Frljics Inszenierung von Dostojewskis «Die Brüder Karamasow» am Deutschen Schauspielhaus Hamburg ein von Wolfermann entworfenes Kleid, irgendwo zwischen Trauerflor und Bondage-Geschirr, und als sie die Bühne überquert, züngeln Flammen aus ihrer Schärpe.
Dieser kurze Gang im brennenden Kleid sagt viel darüber aus, wie Gerling Gruschenka spielt: als Vertreterin einer dunklen, traurigen Erotik, einer flammenden Leidenschaft, die sich selbst verzehrt und die bei allem Reiz auch eine nicht zu unterschätzende Gefährlichkeit in sich trägt. Dass die Männer der Familie Karamasow ihr der Reihe nach verfallen, versteht man sofort.
Das kann diese Inszenierung: mit ganz kleinen szenischen Mitteln spektakuläre Effekte hervorrufen. Das starke Bild des brennenden Kleids ist eines dieser Mittel, wie Frljic die Handlung aus winzigen Gesten heraus denkt, ein anderes – wie er die Figuren beiläufig einen Text plaudern lässt, aus dem dann unmerklich ein Dostojewski-Diskurs um Glaube, Moral und soziale Verantwortung erwächst.
Die ...
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Theater heute November 2021
Rubrik: Aufführungen, Seite 26
von Falk Schreiber
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