Wie ein Engel

Die britische Performerin Lucifire hängt an Haken in ihrem Fleisch in Florentina Holzingers «Tanz». Ein Gespräch über Schmerz, Euphorie und Hexen

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Karin Cerny Wie sind Sie bei Florentina Holzinger gelandet?

Lucifire Ich habe mit der Performerin Vero­nica Thompson, die sich in «Tanz» an den Haaren hochziehen lässt, früher in einem Zirkus gearbeitet. Sie meinte, Florentina würde Frauen suchen, die Erfahrungen mit Body Sus­pension haben, sich also auf Haken in ihrem Fleisch aufhängen lassen wollen. Ich hatte damit eigentlich vor zehn Jahren aufgehört, weil ich Mutter geworden bin.

 

Cerny Warum sind Sie zurückgekommen?

Lucifire Ich traf mich mit Florentina, um ihr jemanden zu empfehlen. Aber je länger ich mit ihr sprach, desto klarer wurde für mich, dass ich es selbst machen möchte. Ich habe in den 1990er Jahren modernen Tanz studiert, war aber dann mehr an extremem Zirkus, Side- und Freak-Shows interessiert. Und plötzlich kam bei Florentina alles wieder zusammen, was mich begeistert. Ich bin jetzt 47, als Mutter nackt auf der Bühne zu stehen, fühlt sich ziemlich Bad Ass an. Vor allem, um daraus eine starke, feministische Arbeit zu machen. 

Cerny Was haben Sie früher für Kunststücke gezeigt?

Lucifire Feuersprühen und mit der Flex Funken schlagen, ich habe auf zerbrochenem Glas getanzt, den «Human Blockhead», also sich einen ...

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Theater heute Mai 2020
Rubrik: Theatertreffen Berlin, Seite 30
von Karin Cerny

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