Wer hat die dicksten Pelze?
Ein Jahr wohnt das Theater nun im Netz-Asyl. Ein Jahr, bei kurzer Sommerspielzeit-Lockerung, in einem an sich filmisch dominierten Medium, mit dem das Theater lange gefremdelt hatte. Der Erfahrungszuwachs ist frappierend. Im ersten Corona-Lockdown 2020 wurde im spontanen Ringen um Sichtbarkeit alles an die digitale Rampe gewuchtet, was die hauseigenen Videoarchive hergaben: wackelige Aufführungsmitschnitte, mit wenigen Kameras gedreht, mitunter auch Bilder aus Generalproben, das meiste davon ursprünglich zur internen Dokumentation gedacht.
Diese Bewegtbilder dienten nunmehr als Souvenirs und Grußkarten an das abwesende Publikum. Die Qualitätseinbußen nahm man als Zuschauer mit Herzblut hin.
Der Sommer unseres kurzen Vergnügens wurde von pfiffigen freien Gruppen und wachen Häusern nicht nur zum Spielen genutzt, sondern auch zur Daseinsvorsorge für die erwartete zweite Corona-Welle. Inzwischen gibt es einen Pool an genuin fürs Netz produzierten Stücken. Und es gibt Inszenierungen, bei denen das Ausweichen ins Internet schon mitgedacht wurde. So am Deutschen Theater Berlin bei René Polleschs «Melissa kriegt alles». Aus dem Probenprozess heraus hat das Deutsche Theater Berlin in ...
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Theater heute März 2021
Rubrik: Aufführungen, Seite 53
von Christian Rakow
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