Vorsicht, Lebensgefahr
Sind Sie verzweifelt oder hegen suizidale Gedanken oder stellen diese bei Bekannten fest, wenden Sie sich bitte an Menschen, die dafür ausgebildet sind.»
Wenn wir Google oder eine andere Maschine mit der Suche nach Suizid, Selbstmord oder Freitod beauftragen, stoßen wir am Ende der vorgeschlagenen Seiten immer wieder auf Aufforderungen dieser Art. Es folgen diverse Telefonnummern oder weitere World-wide-web-Adressen zur Suizidprophylaxe.
Ob es sich um eine Programmankündigung einer Fernsehsendung, einen wissenschaftlichen Beitrag oder die Rezension einer Aufführung handelt, die von Suchmaschinen ausgewählten Texte sind von der tiefgreifenden Furcht durchdrungen, bereits die bloße Rede von der Selbsttötung verfüge über eine hochansteckende Wirkung. Die Worte selbst erscheinen infektiös und toxisch. Sie bedürfen einer unbedingten Warnung. Paradoxerweise werden sie gerade dadurch unmöglich gemacht. So zeigt es sich auch im jahrhundertelangen Ringen um den korrekten Begriff für das gewaltsame Beenden des eigenen Lebens. Es fehlen buchstäblich die richtigen Worte, während die falschen gleich sanktioniert werden.
Alice Birchs Theatertext «Anatomie eines Suizids» ist eine kunstvolle ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Theater-heute-Artikel online lesen
- Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Theater heute Ein zehnstündiges Antiken-Großprojekt wie «Dionysos Stadt» ist für ein Stadttheater nicht gerade üblich. Peter Stein hat es 1980 mit der «Orestie» an der Berliner Schaubühne einmal unternommen, aber die Schaubühne war damals auch kein übliches Stadttheater. Wie ist diese im besten Sinn wahnwitzige Idee überhaupt entstanden?
Christopher Rüping Die...
Vorworte von Spielzeitheften sind meist ähnlich spannend wie das Wort zum Sonntag. Das erste von Martin Kušej verantwortete Spielzeitheft des Burgtheaters aber beginnt mit einem Text, der sich wie ein programmatisches Manifest liest. Darin heißt es: «Das Burgtheater wird sich fortan und endgültig nicht mehr als ‹teutsches Nationaltheater› begreifen, das nur in...
Auf der Bühne wirkt sie oft, als spreche sie widerwillig gegen die Sätze an, die sich in ihrem Mund formen, und auch im Gespräch über ihre Arbeit kann Sandra Hüller schnell einen bemerkenswert bockigen Ton anschlagen. «Eine direkte Erzählform hat uns an der Stelle nicht interessiert und wird dem Stück nicht gerecht – Kleist lässt sich nicht vereinfachen», antwortet...
