Von Frankfurt lernen
Franz Wille Ab 2022 sind Sie der neue Intendant der Berliner Festspiele. Gratulation – denn es ist ja einer der Leuchtturm-Jobs im deutschen und vor allem Berliner Kulturbetrieb! Womit haben Sie denn die Findungskommission und die zuständige Staatsministerin für Kultur, Monika Grütters, überzeugt?
Matthias Pees Da kann ich nur mutmaßen.
Ich bin am Frankfurter Mousonturm, aber auch an früheren Arbeitsstationen sehr unterschiedlichen Aufgaben, Arbeitsweisen und institutionellen Umfeldern begegnet – in São Paulo, bei den Wiener Festwochen oder in der Berliner Volksbühne, als Stadttheater- und Festivaldramaturg, Kurator, Kulturproduzent und Geschäftsführer eines internationalen Produktionshauses. Mein Schwerpunkt liegt auf den Darstellenden Künsten, aber es ergaben sich auch angrenzende oder interdisziplinäre Arbeitszusammenhänge, insbesondere durch Kooperations- und Koproduktionsprojekte, die ich mit initiiert habe. Das wären Gründe, die erst mal gar nicht so sehr in großartigen neuen Ideen, sondern in biografischen Zusammenhängen liegen.
FW Also Vielseitigkeit in allen Ecken und offenen Enden von Theater und Performance. Das passt ja sehr gut zu den Berliner Festspielen, die ein ...
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Theater heute November 2021
Rubrik: Foyer, Seite 1
von Franz Wille
Immer wieder liegt derselbe Stolperstein im Weg, Skepsis und Zweifel beunruhigen, verunsichern und hemmen immer wieder neu. «Warum ich?», fragt sich Anja Herden jetzt, wo sie erzählen soll von sich selbst. «Bin wirklich ich gemeint?» Oder geht es wieder um den «Diskurs», zu dem sie nun mal gehört und für dessen Beglaubigung sie womöglich gerade herhalten soll....
Weder Seelenfrieden-Tee noch Putztherapie: Diesem Mann (Philippe Goos) ist nicht zu helfen. Er ist ein hektischer Hysteriker, ein dauernervöser Hypochonder, eine Drama-Queen, ein Herzinfarkt-Kandidat, eine Heulsuse. Er ist «Der eingebildete Kranke» aus Martin Heckmanns Molière-Überschreibung. Anne Lenk inszeniert das Stück – wie auch ihre zum Theatertreffen 2021...
Noch bevor es richtig losgeht, besteht erhöhter Aktualisierungsbedarf. Sophie Stockinger, später die Darstellerin des jungen Revolutionärs Pawel, entert die Bühne und zitiert feurig einen Aufsatz zur Arbeiterklasse und Arbeiterbewegung im 21. Jahrhundert aus einer 2003 erschienenen Nummer von «Z – Zeitschrift für marxistische Erneuerung». Darin wird Marx zwar sanft...
