Vom Überleben der Kaputtgesparten

Das Festival «Under the Radar» in New York City wurde letztes Jahr abgeschafft – und in einem beispiellosen Akt der Solidarität sogleich wiederbelebt

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Der Kurator und Festival-Direktor Mark Russel war im Mai 2023 gerade beim Brüsseler KunstenFestival auf der Suche nach neuen Arbeiten für sein Programm, als ihm in einer Video-Konferenz mitgeteilt wurde, dass das New Yorker Public Theater sich ab dem kommenden Jahr vom Festival für experimentelle Performance «Under the Radar» (URT) aus finanziellen Gründen verabschieden wird. Das schien der Tod von UTR zu sein.

Das Public Theater mit seinen vielen unterschiedlich großen Bühnen stellte dem Festival die Infrastruktur, hatte dessen Leiter Mark Russel und dessen Mitarbeiter:innen unter Vertrag und gab eine Million von seinem Budget an das Festival. Das Budget des Public besteht aus privatem Sponsorengeld und Kartenverkauf.

«Oh well, we had 18 good years», sagte Mark Russel etwas blass in Brüssel am Rande einer Vorstellung und fügte kollegial hinzu: «Die Gründe sind rein ökonomisch. Ich werfe Oskar (dem Intendanten) nichts vor.» Als er 2005 das Festival gründete, wollte Russel die experimentellen Performing-Art-Künstler:innen in Downtown Manhatten und Brooklyn sichtbar machen, ihnen einen Rahmen geben und sie internationalisieren. Sie sollten Teil eines gemeinsamen Dialogs werden mit ...

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Theater heute Juli 2024
Rubrik: International, Seite 40
von Stefanie Carp

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