Vogel, Katze, Frau

Die Antike neu erzählen: Karin Beier inszeniert Roland Schimmelpfennigs Mythenbearbeitung «Anthropolis» in fünf Teilen am Hamburger Schauspielhaus. In «Prolog/Dionysos» und «Laios» glänzen das Ensemble – und Lina Beckmann

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Das Meer. Über dem Meer die Sonne. Felsen. Ein Strand.» Allein mit Worten, Pausen, Verb-losen Sätzen katapultiert der ältere Herr, der in Jeans und Weste vor den eisernen Vorhang getreten ist, das Publikum ans Mittelmeer. «Eine Straße. Eine Stromleitung. Ein nie fertig gebautes Haus.

» Ganz selbstverständlich erzählt Michael Wittenborn weiter, wie eine Gruppe junger Frauen am Strand einen schönen weißen Stier trifft, wie sich eine von ihnen, Europa, aus der Gruppe löst und auf ihn zugeht, auf seinen Rücken klettert und der als Tier getarnte Zeus so mit ihr auf Nimmerwiedersehen ins Meer hinausschwimmt.

In seiner direkten Schlichtheit erinnert Wittenborns Einstieg entfernt an Nils Kahnwalds Eröffnung eines anderen Antikenprojekts, das vor fünf Jahren Furore machte: Zehn Stunden und viele Pausen lang dauerte das Spektakel, mit dem Christopher Rüping und das Ensemble der Münchner Kammerspiele einen Bogen über verschiedenste Theaterformen vom Prometheus-Mythos bis zu den Atriden schlugen. Ähnliches hat auf andere Weise Karin Beier im Sinn, wenn sie Roland Schimmelpfennigs Bearbeitung des Labdakiden-Mythos «Anthropolis – Ungeheuer. Stadt. Theben» als fünfteilige Serie auf die Bühne ...

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Theater heute November 2023
Rubrik: Aufführungen, Seite 10
von Eva Behrendt

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