Vogel, Katze, Frau
Das Meer. Über dem Meer die Sonne. Felsen. Ein Strand.» Allein mit Worten, Pausen, Verb-losen Sätzen katapultiert der ältere Herr, der in Jeans und Weste vor den eisernen Vorhang getreten ist, das Publikum ans Mittelmeer. «Eine Straße. Eine Stromleitung. Ein nie fertig gebautes Haus.
» Ganz selbstverständlich erzählt Michael Wittenborn weiter, wie eine Gruppe junger Frauen am Strand einen schönen weißen Stier trifft, wie sich eine von ihnen, Europa, aus der Gruppe löst und auf ihn zugeht, auf seinen Rücken klettert und der als Tier getarnte Zeus so mit ihr auf Nimmerwiedersehen ins Meer hinausschwimmt.
In seiner direkten Schlichtheit erinnert Wittenborns Einstieg entfernt an Nils Kahnwalds Eröffnung eines anderen Antikenprojekts, das vor fünf Jahren Furore machte: Zehn Stunden und viele Pausen lang dauerte das Spektakel, mit dem Christopher Rüping und das Ensemble der Münchner Kammerspiele einen Bogen über verschiedenste Theaterformen vom Prometheus-Mythos bis zu den Atriden schlugen. Ähnliches hat auf andere Weise Karin Beier im Sinn, wenn sie Roland Schimmelpfennigs Bearbeitung des Labdakiden-Mythos «Anthropolis – Ungeheuer. Stadt. Theben» als fünfteilige Serie auf die Bühne ...
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Theater heute November 2023
Rubrik: Aufführungen, Seite 10
von Eva Behrendt
Franz Wille Vor einem guten Jahr wurde mit Aplomb eine neue TT-Leitung installiert. Vier Frauen – Carolin Hochleichter, Olena Apchel, Marta Hewelt, Joanna Nuckowska – haben sich viel vorgenommen: kollektive Leitung, die Kritikerjury zumindest infrage zu stellen, ostmitteleuropäische Erweiterung, eine Aufwertung des bisherigen Rahmenprogramms, das auf einer Ebene...
Weil’s endlich wieder schön war! Nach der letzten Premiere vor den Sommerferien, Tschechows Frühwerk «Die Vaterlosen», inszeniert von Jette Steckel als prachtvoll-sarkastischer Abgesang auf eine Generation früh Gescheiterter, gibt es zur Spielzeiteröffnung an den Münchner Kammerspielen gleich wieder ein verzweigtes Ensemblestück, das von kleinen und großen Fluchten...
Mancher sitzt der Schalk im Nacken. Selbst im höheren Alter noch. Ginka Steinwachs zum Beispiel: Sie hat an einem Tisch im Ballhaus Ost Platz genommen, um einen «Poetikimpuls» zu platzieren, und also wirft sie, eher locker als impulsiv, immer wieder einen Ball ins Publikum. Weil dies ja schließlich ein «Ball-haus» sei. Wir, die Zuschauer, bringen ihn wie ihre...
