Viel Rauch, wenig Geld
Im Theater heißt es oft: Eine Inszenierung brauche nicht viel, um ihre Botschaft zu transportieren. Der Ausdruck bekommt in «Vendo Humo», das am Zürcher Theater Spektakel zu sehen war, eine neue Bedeutung: Wenn Juan Onofri Barbato in seinem Solo an einem erhöhten Tisch sitzt und ihn von links und rechts nur zwei sehr kleine Nebelmaschinen besprühen, dann ist die Reduktion nicht künstlerische Entscheidung, sondern finanzieller Zwang.
Er habe, sagt Onofri Barbato, der zusammen mit seiner Frau Elisa Carricajo das Stück auf die Bühne gebracht hat, ursprünglich monumentaler gedacht, aber sich nach einer erneuten Inflation nur diese Maschinen «in Puppengröße» leisten können. «Vendo Humo», ich verkaufe Rauch, sagt Onofri Barbato, was in Argentinien auch heißt: Ich mache dir etwas vor. Tatsächlich galoppiert in Argentinien eine immense Inflation, die eine bizarre Parallelwirtschaft blühen lässt und den Alltag der Menschen brutal verkompliziert. Einem Theaterleiter kann es passieren, dass er Dollar in Pesos umtauscht, um etwa Kabel für die Sanierung des Hauses zu kaufen, und im Geschäft erfährt, dass der Preis von 132.000 innerhalb weniger Stunden auf 180.000 Pesos gestiegen ist.
Künstler ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Theater-heute-Artikel online lesen
- Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Theater heute Oktober 2023
Rubrik: Festivals, Seite 30
von Valeria Heintges
Als sie erfuhr, sie werde die erste außereuropäische Programmdirektorin von Theater der Welt, bestimmte die Corona-Pandemie noch das Geschehen. Chiaki Soma, eine der wichtigsten Produzentinnen und Festivalmacherinnen Asiens, saß in Tokio fest und dachte über mögliche Schwerpunkte nach, die in zwei Jahren das Festival prägen sollten, das vom Zentrum Bundesrepublik...
Zwei Neonaugen leuchten in die Nacht hinein über dem Hintereingang des Theaters an der Ruhr. Zum Schlund wird das Türportal, das die Zuschauer vom illuminierten Raffelbergpark hineinsaugt und wieder ausspuckt. Innen ist das Foyer mit schwarzen Glitzerfäden ausgekleidet, rote Sofas laden zum Chillen ein. Oder man steht doch wieder auf und geht in der leicht...
Anne Leppers Jugendliche haben gerne einen Chor an der Seite, der wie ein moralischer Kompass funktioniert und ihnen den richtigen Weg weisen soll. Das war schon vor einiger Zeit in Stuttgart so, als eine reiche Lady sich in «Life can be so nice» einen Sonnyboy als Lover hielt. Sie residierte im Penthouse eines Hotels, verbannte den Toyboy dann aber nach unten in...
