Vermessung eines Epochenumbruchs

Emre Akal «Göttersimulation»

In seiner Geschichte der Zukunft beschreibt der israelische Historiker Yuval Harari, wie der Mensch sich im Zuge der Entwicklung künstlicher Intelligenz und immer komplexerer virtueller Welten zu einem gottähn -lichen Schöpfer entwickeln könnte: zu einem Homo Deus. Es ist offensichtlich: Wir stehen am Ende des analogen Zeitalters. Das Verhältnis von analoger und digitaler, von virtueller und realer Welt muss neu befragt werden, und damit steht letztlich auch ein ganzes Selbstbild der menschlichen Spezies auf dem Prüfstand.

Die Schnittstelle von analoger und virtueller Welt literarisch und theatral zu vermessen, ist das ambitionierte Projekt des Autors Emre Akal. Groß geworden und künstlerisch sozialisiert in der Münchner und Wiener Freien Szene, ist Akal seit 2021 Artist in Residence an den Münchner Kammerspielen und schreibt mit seinem jüngsten Werk «Göttersimulation» aktuell am dritten Teil seiner Tetralogie, in der er multiperspektivisch die digitalen Umwälzungen unserer Zeit in den Blick nimmt. 

Schon im ersten Teil «Hotel Pink Lulu» (Abdruck in TH 1/2022) entwickelte Akal die Fan -tasie einer digitalen Arche, in der verschiedenste Menschen sich im Virtuellen einen neuen ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Theater-heute-Artikel online lesen
  • Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Theater heute Jahrbuch 2022
Rubrik: Neue Stücke, Seite 142
von Tobias Schuster

Weitere Beiträge
Vom Vordringen ins Innere

Wie gelangen wir sicher ins Innere? Und wieder hinaus, ohne den Halt zu verlieren?», fragt sich gleich zu Beginn von Kevin Rittbergers neuem Stück «Wir sind nach dem Sturm» der Bergrat Wilhelm August Julius Albert. Die Rede ist vom Vordringen in die Erde, die doch so viele Schätze unter ihrer harten Kruste verbirgt, die scheinbar gehoben sein wollen. Gleichzeitig...

Wir haben uns selbst gecancelt

Beeinflusst durch die gegenwärtig in der Gesellschaft und also auch an den Theatern verhandelten Themen wie Teilhabe, Geschlechtergerechtigkeit, Rassismus, Identität und Repräsentation haben wir unser Performance-Kollektiv aufgelöst. Geplant war ein Jubiläum. Es wurde ein Abschied. Die Bairishe Geisha wurde letztes Jahr 21. Sie war gleichzeitig Corporate Identity...

Die Zukunft von vorne ausdenken

Von Anfang an ist das Scheitern eingeschrieben: «Du wirst es nicht wahrhaben wollen, dass dieser Ort zerstört werden wird / but the cops will come / und werden hier alles verwüsten, alles zertreten, was sie mit ihren Stiefeln und ihren behandschuhten Händen nur werden schrotten können / werden dich mit ihren Räumfahrzeugen und Hebebühnen von den Traversen schneiden...