Unter Gehäuteten
Auf dem Weg von Berlin nach Mannheim kann sie in Weimar Halt machen und das Konzentrationslager oben auf dem Berg besuchen, das heute eine Gedenkstätte ist. In Mannheim angekommen stellt sie sich unter Umständen die Frage, warum sowohl das Weimarer als auch Mannheimer Theater auch nach 1945 unbedingt ein «National» im Titel tragen wollten. Schon klar, das hat mit Schiller und der bestenfalls idealistischen Vorstellung zu tun, er sei ein deutscher Nationaldichter.
Dass man bei solchen Zuweisungen aber nicht stehen bleiben sollte, dürfte für Sivan Ben Yishai spätestens dann relevant geworden sein, als sie für das Theater, an dem sie bis vor Kurzem noch Hausautorin war, ein Auftragswerk schrieb.
Man sollte sich also warm anziehen, schließlich geht es in «Wounds Are Forever» nicht nur um einen Ritt durch die jüdisch-deutsche Geschichte, sondern auch um die Autorin und deren «Selbstporträt als Nationaldichterin», so der Untertitel eines Theatertextes, der alles in einem ist: komisch ironisch, verspielt autoaggressiv und als habe eine Tochter sich dann auch noch mit einer Generation beschäftigt, die einen etwas anderen Bezug zu Deutschland und der Shoah hat als sie selbst. Mit dem ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Theater-heute-Artikel online lesen
- Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Theater heute November 2021
Rubrik: Chronik, Seite 58
von Jürgen Berger
Franz Wille Ab 2022 sind Sie der neue Intendant der Berliner Festspiele. Gratulation – denn es ist ja einer der Leuchtturm-Jobs im deutschen und vor allem Berliner Kulturbetrieb! Womit haben Sie denn die Findungskommission und die zuständige Staatsministerin für Kultur, Monika Grütters, überzeugt?
Matthias Pees Da kann ich nur mutmaßen. Ich bin am Frankfurter...
Noch ist das Zürcher Theaterspektakel nicht das alte; sanitäre Auflagen schränken es an allen Ecken ein. Denn was das «Speki» im Kern ausmacht, ist ja das pure Gegenteil von Corona-verträglich: ein großes Durcheinander, ein Kunstvolksfest auf der Wiese am See, bei dem sich Passant:innen und Theatergänger:innen mischen, Straßenkünstler:innen mit den eingeladenen...
Ich hocke wie Polonius hinterm Vorhang. Achte darauf, dass meine Schuhspitzen unsichtbar bleiben, der Vorhangspalt vollständig geschlossen, mein Atem ruhig. Hoffe ohnehin, dass der verborgene Körper sich nicht zu Wort meldet, durch Magenknurren, Niesen, Schluckauf. Dabei weiß mein Gegenüber, anders als Hamlet, dass jemand da ist. Um mein Leben muss ich nicht...
