Treffpunkt im Museumsshop

Der Künstler als Genie, Bohemien, Dissident? Praktisch vorbei, sagen die Kulturwissenschaftlerin Annekathrin Kohout und der Kunsthistoriker Wolfgang Ullrich. Ein Gespräch über den Abschied von autonomer Kunst, die Rolle der Digitalisierung und die Verschiebung von Kunstkritik zur Kunstsoziologie

Theater heute - Logo

Theater heute Wir wollen heute über Kunst und Künstler*innen reden. Wie hat sich der Begriff, der Anspruch, die Praxis in den letzten Jahren verändert – auch und gerade durch die sozialen Medien? Der gute alte romantische Kunstbegriff mit seiner Genie-Ästhetik steht ja schon lange unter Druck. Entstanden zu noch feudalen Zeiten, gefeiert in der industriellen Moderne, wirkten seine Werte und Versprechen von Freiheit, Autonomie, Eigenverantwortung, authentischem Ausdruck und Kreativität in einem Umfeld von Konvention und Anpassung als gegenkulturelle Kräfte.

In neoliberalen Zeiten sind diese einstigen Künstlerqualitäten längst durchschnittliche Anforderungsprofile für Arbeitnehmer geworden und haben ihre dissidente Kraft eingebüßt. Das spätmoderne Mitglied der Dienstleistungsgesellschaft ist gezwungen, seine Kreativität unter hoher sozialer Risikobereitschaft und Mobilität einzusetzen und sich dabei möglichst authentisch zu verhalten. Deshalb würden wir mit Ihnen gerne auf zeitgenössische Künstlerbilder blicken und diskutieren, wie sehr sie sich verändert haben und ob oder wie sie noch eine gegenkulturelle Qualität entwickeln. Bleibt vom romantischen Kunstbegriff unter neolibe­ralen ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Theater-heute-Artikel online lesen
  • Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Theater heute Jahrbuch 2019
Rubrik: Künstler Positionen, Seite 36
von Eva Behrendt und Franz Wille

Vergriffen
Weitere Beiträge
München leuchtet

In der vierten Spielzeit von Intendant Matthias Lilienthal haben sie es tatsächlich geschafft: Die Münchner Kammerspiele sind das Theater des Jahres! Nach zunächst intensivem Fremdeln der Lokalpresse und auch des Stammpublikums, nach dem Weggang beliebter Ensemblekräfte und drohender Überforderung des Hauses durch die Doppelfunktion als Stadttheater und...

Digital transparent geriebene Untiefen der Welt

vorwort zu den podesten

1. eigentlich traue ich mich nicht, über jemanden zu schreiben, der noch lebt, und schon gar nicht über jemanden, den ich persönlich kenne. 2. es ist so einfach, einen mann auf ein podest zu stellen, schließlich erinnert er uns ja immer an etwas oder jemanden – an all die vielen anderen männer auf podesten davor. und wenn mir etwas bekannt...

Kunst aus der Vogelperspektive

Was haben ein Dreckspfau, ein Spatz, ein Bussard, eine Rauchschwalbe, ein Zilpzalp, eine Feldlerche, eine Krähe, vier unterschiedliche Arten Meisen, ein Flamingopärchen, eine Pute, ein Huhn & eine Henne, eine weiße Taube und natürlich der titelgebende Bookpink, plattdeutsch für Buchfink, gemeinsam? Sie sind menschlich, allzu menschlich. 

Caren Jeß’ federführendes...