Wie der Stahl gehärtet wurde

Ein Gespräch mit den scheidenden tt-Juroren Dorothea Marcus und Christian Rakow über in Stein gemeißelte Voten, entflammte Argumente, Gefühle des Scheiterns, Repräsentationsfragen, die Frauenquote, eine Achtstunden­sitzung und den Trend zum Gesamtkunstwerk

Franz Wille Drei Jahre Jury sind vorbei, dafür sind Sie mehrere hundert Theateraufführungen reicher und haben auch zahllose Reisen mit schönen Erlebnissen im Wirkungskreis der Deutschen Bahn genossen. Fühlen Sie sich erleichtert, traurig, befreit?

Dorothea Marcus Ich mache drei Kreuze und verdrücke drei Tränen. Es war eine extrem bereichernde Zeit, die ich jetzt schon vermisse, aber ich bin auch total erleichtert. Es war so inspirierend und so anstrengend! Es war ein großes Privileg, in diesen Diskurs eintreten zu können mit so geschätzten Kollegen.

 

Christian Rakow Wir sind als Kritiker oft sehr einsame Tiere. Wir sitzen am Schreibtisch und machen unser Ding: In der Regel wird aus einer Inszenierung eine These, die mit einigen Punkten belegt wird. Und es ist eine tolle Erfahrung, damit in eine Jury einzutreten, wo diese These auf Herz und Nieren geprüft wird. Wie gut ist sie wirklich belegt? Ist sie va­lide? Es gibt nicht mehr viele Jurys, die diesem Prinzip folgen und auf Diskussion setzen. Das weiß ich als Arbeitspraxis extrem zu schätzen. 

FW Wie beständig sind denn in dieser Praxis die eigenen Thesen? Bröseln sie schnell, oder geben Sie sich unbelehrbar?

Rakow Es gibt ...

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Theater heute Mai 2019
Rubrik: Theatertreffen Berlin, Seite 34
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