Theater, weil!
Weil im Theater das Handy aus ist.
Weil ich andere atmen höre.
Weil wir den Atem gemeinsam anhalten.
Weil wir zusammen still sind.
Weil wir zusammen Hormone ausschütten.
Weil man sich leichter in Menschen verliebt, mit denen man Hormone ausgeschüttet hat.
Weil ich im Theater über etwas weinen kann, das mit mir nichts zu tun hat.
Weil ich im Theater nicht einsam bin.
Weil niemand Theater alleine machen kann.
Weil im Theater Leute sitzen, die ich nicht
kenne. Sogar Leute, die ich nicht ausstehen kann.
Weil auf der Bühne Menschen nebeneinander stehen können, die sich draußen
zerfleischen würden.
Weil alle Theater spielen können.
Weil Theaterspielen nicht vorspielen,
sondern zusammen spielen heißt.
Weil am Ende alle ihre eigenen Rollen
spielen, selbst wenn einige versuchen,
andere zu spielen.
Weil hier alles Künstliche gegen Kinder und Tiere verliert.
Weil alle wissen, was Theater ist.
Weil es niemand weiß.
Weil alle überrascht davon sind, was auch noch Theater sein kann.
Weil alles, was geschieht, zu Theater werden kann.
Weil Theater überall geschehen kann.
Weil auch das Publikum eine Rolle hat, selbst wenn es sich im Zuschauerraum versteckt.
Weil Aufführungen jederzeit durch jede*n ...
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Theater heute Januar 2021
Rubrik: Foyer, Seite 1
von Stefan Kaegi
Katholiken tragen von Geburt an die Erbsünde in sich, können am Samstag aber zur Beichte gehen, schon am Sonntag mittags unbefleckt den Leib Jesu Christi empfangen und am Montag getrost weiter sündigen. Kommt man dagegen als Protestant zur Welt, gibt es keine Erbsünde, man ist aber angehalten, ein Leben lang Schuld zu begleichen. Gearbeitet wird nicht um reich zu...
1. SZENE
Erster Mann. Zweiter Mann. Dritter Mann. – Erster und Zweiter Mann sind außer Atem.
Erster Mann Der verdammte Fucker! Der verdammte Scheißkerl! Der verdammte Scheißfucker!
Zweiter Mann Das ist deine Schuld, du Arschloch! Das ist ganz allein deine Schuld, du Scheißarschloch!
Dritter Mann Sagt mir, was passiert ist. Ich will wissen, was passiert ist! Ihr...
Düsseldorf, orange-blaue Herbstnachmittagsstimmung. Stephan Kimmig fällt keine andere Parkbank ein als die direkt hinter dem Schauspielhaus, nach der Probe ist es entweder spät abends oder er fährt zurück nach Berlin. Da hat er diesmal auch seine warme Jacke vergessen, deshalb unterhalten wir uns nach dem Foto dann doch im gewaltigen, frisch renovierten...
