Theater des Zivilen
Es gibt Dinge, die kann man nicht oft genug sagen. Guten Tag, zum Beispiel. Wer höflich ist, sagt das ziemlich oft.
Dusan David Parizek kann ausgesucht höflich sein. In seinen Inszenierungen, die seit bald fünfzehn Jahren an den großen deutschsprachigen Häusern zu sehen sind, sagen deshalb Schauspieler zu Zuschauern «Guten Tag», nicken den Besuchern zu und stellen sich vor, wie man das macht mit guter Kinderstube. Parizek hat es gerne zivilisiert. Sein ganzes Theater kommt in ziviler Zurückhaltung daher, der Ton, die Gesten, die Kleider. Wild wird es noch früh genug.
Um sich mit Zuschauern so zu verständigen, dass sie Schauspieler für erwachsene Menschen halten und nicht für Aufsagepuppen, bemüht das zivile Theater von Dusan David Parizek mehr als einen Blick nach unten, mehr als das branchenübliche Zwinkern. In Parizeks Arbeiten geht es darum, Kommunikation auf Augenhöhe herzustellen. Dafür scheint es ihm hilfreich, den Unterschied zwischen denen, die die Gesetze des Spiels auf ihrer Seite haben, und denen, die dafür bezahlt haben, sitzen bleiben zu dürfen, nicht allzu groß werden zu lassen. Die Tür, durch die der Zuschauer hereingekommen ist, ist meistens auch die Tür, durch die ...
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Theater heute Jahrbuch 2015
Rubrik: Der Regisseur des Jahres, Seite 130
von Roland Koberg
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