Struktur oder Mensch?
Wie davon erzählen, vom vermeintlichen Ankommen als Arbeitsmigrant:innen-Kind im bundesdeutschen Wohlstandswesten? Vom sich Heraufschwingen in den Kronleuchter der Wunschexistenz, die doch immer gefährdet und prekär bleibt? Von den Erinnerungen an die dauergestresste Mutter, die von Niedriglohnjob zu Niedriglohnjob hetzen musste, nie Zeit für sich hatte, das Kind während der Putzschichten im Großraumbüro irgendwo mit einem Malblock geparkt? Von den Deutschen, die dort durch sie hindurchgesehen haben? Von den Schwierigkeiten, mit dieser Mutter heute überhaupt zu sprechen, wenn sich so
viele Erfahrungen, Entfremdungen und eine neue Sprache dazwischengeschoben haben? Von den Erwartungen, die nicht enttäuscht werden dürfen? Wie davon erzählen, wenn man keinen Leidenskitsch verbreiten will, nicht in die Klassismusklischees rutschen will, keinen «Working-Class-Erinnerungsporn» schreiben will?
Ewe Benbenek weiß als Autorin und Literaturwissenschaftlerin viel zu viel über sich, ihre Herkunft, die Welt und das Schreiben, um sich mit einem vermeintlich authentischen autofiktionalen Text zu begnügen. In den 1990ern in der niedersächsischen Provinz aufgewachsen, wohin es ihre Eltern aus Polen ...
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Theater heute Oktober 2023
Rubrik: Das Stück, Seite 56
von Franz Wille
Im Theater heißt es oft: Eine Inszenierung brauche nicht viel, um ihre Botschaft zu transportieren. Der Ausdruck bekommt in «Vendo Humo», das am Zürcher Theater Spektakel zu sehen war, eine neue Bedeutung: Wenn Juan Onofri Barbato in seinem Solo an einem erhöhten Tisch sitzt und ihn von links und rechts nur zwei sehr kleine Nebelmaschinen besprühen, dann ist die...
Man muss ein Mensch sein.» Was ist ein Mensch? Ist der Mensch ein Tier? Ein Mensch sein – eine große Aufgabe. Eine Frau sein, eine noch größere? Die Fragen könnten nicht grundsätzlicher sein, der Bühnenaufwand nicht geringer. Ein leerer Wohnzimmerkasten mit Sofa und Schreibtisch, in der Mitte eine Schiebetür, das ist alles. Große Fragen, wenig Worte. «Man darf kein...
Vorhang auf!» Unter diesem Titel läuft im Rupertinum, schräg vis-à-vis von den Festspielhäusern, derzeit eine Ausstellung mit Theaterfotografien von Ruth Walz, die von 1976 bis 1990 Hausfotografin der Schaubühne war. Der Schwerpunkt der Schau (bis 12. November) liegt naheliegenderweise auf Aufführungen der Salzburger Festspiele, wo Walz in den vergangenen 30 Jahren...
