Spätmoderne Zeiten

Fragen nach dem glücklichen Leben im Heute: das Programm der Mülheimer Stücke 2018

Eigentlich geht es Fräulein Agnes allerbestens: keine größeren finanziellen Sorgen, eine schöne Altbauwohnung, ein reiches Kulturleben, das sie in einem gerngelesenen Blog mit ihren Mitmenschen teilt, ein junger Liebhaber, über dessen gelegentlich anderweitigen Interessen sie großmütig und weise hinwegsieht. Kurz: Fräulein Agnes lebt im kulturbürgerlichen Paradies auf Erden. 

Was jedoch leider nicht besonders zu ihrer persönlichen Zufriedenheit beiträgt.

Wie jeder gute Menschenfeind seit Molière kippt sie schon in ihrem ersten Monolog, einem vernichtenden Wutblutsturz, kübelweise Verachtung auf die lokalen Künstler, Salons, Kunstvereine und andere Kulturbetriebsnotwendigkeiten und analysiert das schöne, bunte, aufgeklärte Kreativ- und Reflexionsmilieu, deren eindrucksvoller Leuchtturm sie ist, mit ausdauernder Wahrheitsliebe in Grund und Boden. Von Freitagabend bis Sonntagvormittag – von der Autorin peinlich genau dokumentiert – pointiert sie dabei mit schneidender Intelligenz ihren ganzen, nicht unerheblichen Bekanntenfreundeskreis aus ihrem Leben heraus. 

Rebekka Kricheldorfs «Fräulein Agnes» ist vermutlich die eindrucksvollste und treffsicherste intellektuelle Selbstabschaffung ...

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Theater heute Mai 2018
Rubrik: Best of ... Mülheimer Stücke, Seite 20
von Franz Wille