Sinn ist auch nur eine Sucht

In Hamburg rettet Sebastian Zimmler Stuckrad-Barres «Panikherz» und Christoph Marthaler würdigt souverän unangemessen Alfred Jarry: «Übermann oder Die Liebe kommt zu Besuch»

Irgendwann Ende der 90er, Anfang der Nuller Jahre war Benjamin von Stuckrad-Barre, dieser deutsche Namenswitz aus Rotenburg an der Wümme, Pastorensohn, Schulver­sager und Udo-Lindenberg-Fan, tatsächlich ganz oben. Als Spezialist im «Hineinschlawinern» in hippe Locations hatte er es vom pickeligen Oberschüler innerhalb kürzester Zeit zum «Rolling Stone»-Redakteur, Musikproduzenten, Schmidt-Show-Gagschreiber, Bestsellerautor und Talkshow-Dauergast gebracht.

Die jewei­ligen Aufenthalte waren immer gerade eben kurz genug, um vorm Auffliegen wegen Inkompetenz, Chaos oder sonstiger Hochstapelei unter heftigem Visitenkarten-Gewedel eben noch den Absprung zur nächsthöheren Berufung zu schaffen. 

Da träumt einer den Traum von Großstadt, Ruhm, Erfolg und aufregendem Leben, das immer irgendwo anders ist, erst in Göttingen, dann Hamburg, dann Berlin, Köln, schließlich Zürich oder Hollywood. Und überall, wo er hinkommt, ist es nur genauso piefig und provinziell wie da, wo er losgelaufen ist. Die «Rolling Stone»-Redaktion – ein müder, vertrashter Zwei-Mann-Altherrenbetrieb. Die Schmidt-Show – ein chefhöriger Witzelieferanten-Verein aus lauter kleinen Harald Schmidts. Das legendäre Film- und ...

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Theater heute Mai 2018
Rubrik: Aufführungen, Seite 31
von Franz Wille