Sinceridad is not verdad
Die Stadt ist ein Gefängnis, hatte man mir erklärt, oder: Das Gefängnis ist eine Stadt. Sie heißt Palmasola, und das Theaterstück heißt auch so.
Der Zug, in den ich am Anfang dieser Reise steige, fährt nach Mailand – an jenen Ort also, dessen Namen ich das erste Mal im Heidi-Anime hörte und für den Namen eines tatsächlichen Staates hielt, in dem die Blumen immer blühen und es genug Arbeit für alle gibt, weswegen Heidis Tante ja auch hinfährt, anders gesagt: Heidi handelt in allererster Linie von einer Kindheit im Schatten der Emigration und könnte so nochmals, beispielsweise aus der Perspektive eines moldawischen Kindes, verfasst werden.
Vorab kaufe ich in einem Heidelberger Outdoor-Geschäft ein Paar Trekkingsandalen – von der Vogue geadelt und damit zwangsläufig gut genug für mich – und außerdem einen Wertsachen-Transport-Gürtel, den man unter der Kleidung trägt. Ich bin eine völlig ordinäre Touristin. Ich bin nicht auf der Suche nach authentischen Erfahrungen.
Am Flughafen Viru Viru schäle ich mich aus den Kompressionsstrümpfen. Und so betrete ich die Neue Welt also ausgerechnet in Bolivien, was sich vermutlich keiner meiner Vorfahren hätte träumen lassen.
Wäh ...
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Theater heute Oktober 2019
Rubrik: International, Seite 38
von Enis Maci
Beim Chemnitzer Wettbewerb für Nachwuchsdramatik machte in diesem Jahr eine Geschichte um Liebe mit Aliens das Rennen. «Rauschen. Oder: Wenn du nicht existierst, geh mir bitte aus dem Licht. Danke», so der komplette Titel, den Natalie Baudy sich für ihren Text ausgesucht hat und der über weite Strecken eher an eine Kurzgeschichte erinnert.
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