Sein Brecht
Wahrscheinlich wäre Ernst Schumacher einverstanden gewesen, wenn man ihn als «stur» bezeichnet hätte, und zwar in der oberbayerischen Lesart des Begriffs. Also eher hartnäckig und zäh als dogmatisch; eher unbeirrbar und störrisch als ideologisch, wobei es zwischen den semantischen Feldern durchaus Überschneidungen gibt.
Er stammte aus bäuerlich katholischen Verhältnissen in einem kleinen bayerischen Dorf mit dem sprechenden Namen Urspring und konnte nur durch Unterstützung seines Onkels, eines Pfarrers, aufs Gymnasium.
Nach einer schweren Kriegsverletzung studierte er in München Germanistik und Theaterwissenschaft, wurde 1949 Mitglied der KPD, publizierte in linkskatholischen Zeitschriften und als Korrespondent des Berliner Rundfunks und fand früh seinen literarischen Fixstern in Bertolt Brecht, über den er als einer der Ersten in Leipzig bei Hans Mayer und Ernst Bloch 1953 promovierte.
Dass die Wirkungsmöglichkeiten als Kritiker und Publizist für einen wie ihn in Zeiten des Kalten Kriegs gerade im stockkonservativen Süddeutschland überschaubar waren, liegt auf der Hand. 1962 zog er eine nicht umkehrbare Konsequenz und übersiedelte nach Ostberlin, wo der überzeugte Kommunist bald ...
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Theater heute August/September 2012
Rubrik: Magazin, Seite 71
von
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