Ravende Götter

Amir Gudarzi «Als die Götter Menschen waren» (U) am Nationaltheater Mannheim

Theater heute - Logo

Fünf schwarze, abhottende Zottelberge, mehr mystische Monster als menschenartige Wesen – zumindest solange sie nicht die Zottelkapuze abgezogen haben und Köpfe sichtbar werden: mit futuristisch ondulierten blonden Kurzhaarfri -suren, die Gesichter in unterschiedlichen Farben. Mal raven sie zu Technobeats, die dreifingrigen Fäustlinge zur Decke gestreckt, mal sprechen sie Verse im Chor – solche aus dem mesopotamischen Atrahasis-Epos, entstanden vor fast viertausend Jahren und Modell auch für die biblische Schöpfungsgeschichte.

Diese kuriosen Gruppenchoreografien (zur Musik von Martina Berther und in Kostümen von Korbinian Schmidt) erden, grundieren, takten den Abend auf der Studiobühne im Werkhaus des Nationaltheaters Mannheim, für den Amir Gudarzi – in der Spielzeit 2023/24 hier Hausautor – «Als die Götter Menschen waren» geschrieben hat. Darin verbindet er virtuos gleich drei Zeitebenen – jene des Mythos mit unserer Gegenwart und der Zukunft eines von Menschen besiedelten Mars.

Der raffiniert komponierte Text thematisiert und kritisiert viel: aktuell Politisches und Gesellschaftliches, Ungerechtigkeiten, Ausbeutungsstrukturen, Dürre, Erdbeben, Kriege, Kinderarbeit, ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Theater-heute-Artikel online lesen
  • Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Theater heute Mai 2024
Rubrik: Chronik, Seite 61
von Verena Großkreutz

Weitere Beiträge
Spezialist für Weltbeschreibung

Der Anfang März dieses Jahres in Cambridge im Alter von 89 Jahren verstorbene englische Dramatiker kam aus einer in der Londoner Vorstadt Holloway lebenden Arbeiterfamilie. Kriegserlebnisse, vor allem die Bombardierung Londons, die Evakuierung sowie die soziale Deklassierung prägten seine Kindheit und wurden später die Themen seiner Stücke. 15-jährig verließ er...

Showroom 5/24

BERLIN, GROPIUS BAU bis 14.7.
Radical Playgrounds: From Competition to Collaboration

Internationale Künstler:innen verwandeln den Parkplatz neben dem Gropius Bau in radikale Spielräume, auf denen u.a. Florentina Holzinger, Tomás Saraceno und Céline Condorelli einen elfwöchigen Kunstparcours unter dem Motto «From Competition to Collaboration» gestalten. Die von...

Mord bleibt Mord

Nicht gerade optimistisch für eine National -hymne: «Ruhm und Wille der Ukraine sind noch nicht tot», lauten die ersten Worte der ukrainischen Hymne, und ihr Titel: «Noch ist die Ukraine nicht gestorben». Das Lied kündet von «blutigen Schlachten», davon, sich für die Freiheit zu opfern, und vom Glauben an eine Zukunft, in der die Ukrainer:innen «niemandem erlauben,...