Quartett aus vier Trümpfen
Das Thema mag noch so groß sein, der Text noch so brillant, die Regie noch so originell – ob ein Stück auf der Bühne funktioniert oder nicht, hängt vom Ensemble ab. Und da ist dem Staatstheater Karlsruhe bei der deutschsprachigen Erstaufführung der absurden Komödie «Hir» ein Glücksgriff gelungen. Zwei junge Neuzugänge (Jannik Görger und Rumo Wehrli) und zwei altbewährte Kräfte (Lisa Schlegel und Gunnar Schmidt) spielen eine Familie.
Und sie erschaffen stimmig faszinierende Szenen jener vertraut-verstörenden Dynamik, wenn beim Reden über banale Dinge unterschwellig Machtverhältnisse ausgelotet werden, sich bei Konflikten sprunghafte Allianzen bilden und ständig große Nähe ersehnt, aber trotzdem einander nicht zugehört wird.
In der Regie von Jakob Weiss erweist sich jeder in diesem Quartett als Trumpf und trägt dazu bei, dem Publikum vier Charaktere trotz deren Ruppigkeit ans Herz wachsen zu lassen. Das ist nicht etwa ein positiver Nebeneffekt, der sich bei der Präsentation des «großen» Themas dieses Stücks ergeben hat. Es ist vielmehr die Basis, auf der ein Thema – in diesem Fall die Auflösung althergebracher Geschlechterrollen – überhaupt erst Bühnenboden unter den Füßen bekommt. ...
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Theater heute März 2023
Rubrik: Chronik, Seite 58
von Andreas Jüttner
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Es ist eine sehr amerikanische Geschichte um Geld, Macht und natürlich Liebe. «The Great Gatsby» von F. Scott Fitzgerald, mittlerweile fast 100 Jahre alt, bietet sich auch oder gerade heute an, da die 1920er gerade wieder popkulturell erschlossen werden. In Cottbus hat Philipp Rosendahl, seit dieser Spielzeit zusammen mit Armin Petras und Franziska Benack (beim...
Ziemlich sportlich, wie das Maxim Gorki Theater Kafkas «Amerika»-Roman liest: eine Textraserei, in der sich das achtköpfige Ensemble nicht nur den 16-jährigen Protagonisten Karl Roßmann reihum zuwirft, auf kreiselnder Drehbühne im Dauerlauf durch den Szenenparcours hechtet, von verzerrt-verfremdeter Sprechhaltung zu verbogenen Körpern switcht, getrieben von...
