Piraten entern uns
90 Prozent des Welthandels werden auf dem Seeweg abgewickelt. Die im Vergleich zu anderen Verkehrsmitteln unschlagbar günstigen Transportkosten, die durch die Konstruktion immer größerer Containerschiffe und Erdöltanker noch weiter sinken werden, sind Voraussetzung für die Entwicklung des grenzüberschreitenden Güterverkehrs und jener nahezu uneingeschränkten Mobilität der Waren, die wir gemeinhin als «Globalisierung» bezeichnen.
Abertausende von Schiffen steuern Tag für Tag zielstrebig ihren Bestimmungsort an, und wie ein Netz legen sich die Routen, die sie auf ihrer Fahrt beschreiben, um den Globus.
Ein solches Netz knüpft auch Ulrike Syha in «Fracht (Nautisches Denken I-IV)», einem Auftragswerk für das Schauspiel Chemnitz, wo das Stück Anfang 2010 uraufgeführt werden soll. Sie verfolgt, verbindet und kreuzt darin die Lebenslinien, Reiserouten und Fluchtbahnen von vier namenlos bleibenden Personen, die sich im Verlauf des Stücks allerdings nie oder zumindest nicht direkt begegnen werden. Denn die vier – als Finanz-, Versicherungs- und PR-Berater bzw. als Dolmetscherin berufsbedingt viel unterwegs – befinden sich während des gesamten Stücks auf einem Flughafen, und zwar jeder in ...
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Theater heute Jahrbuch 2009
Rubrik: Stücke der neuen Spielzeit, Seite 179
von Christian Holtzhauer
Im Magdeburger Schwermetall-Kombinat «Ernst Thälmann» hat der Regisseur Andreas Kriegenburg vor 30 Jahren gelernt, wie man Holzmodelle baut, nach denen Gussteile gefertigt werden. Nicht unbedingt die naheliegendste Ausbildung für einen künstlerischen Beruf. Aber der Maschinenbau hat Nachwirkungen: der Bühnenbildner des Jahres.
Die Proben haben begonnen, und Nina Hoss und Susanne Wolff stehen für die erste Szene von «Öl» auf der Bühne. Wie aber der Schluss von Lukas Bärfuss’ neuem Stück aussieht, wissen wir nicht. Es ist noch nicht fertig. Was auf dem Theater ein ungewohntes, irritierendes Gefühl ist, kennen wir aus dem Leben nur allzu gut. Wir wissen selten, wohin etwas führt, wie es...
10. November
Leseprobe. Die Schauspieler, die Gosch um sich versammelt hat, haben alle schon mit ihm gearbeitet. Sie sind dabei gut gefahren. Jeder von ihnen weiß um seine Krankheit. Er beginnt mit der Bitte, man möge ihn nicht an den Schultern berühren. Die Metastasen seines Tumors haben sich unter die rechte Schulter geschoben. Angela Schanelec hat das Stück neu...
