Ordnung ist alles

Reaktionäre Bedrohungen der liberalen Demokratie sind wieder omnipräsent. Ihre Vordenker wie Carl Schmitt oder Leo Strauss haben die amerikanischen Republikaner beeinflusst und führen heute zur polnischen PiS, Victor Orbán in Ungarn oder ins Umfeld von Pegida und Corona-Leugnern – eine kleine Ideengeschichte. Von Karl-Heinz Ott

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Wer hätte vor wenigen Jahrzehnten gedacht, dass die westlichen Demokratien sich bald von innen auszuhöhlen beginnen? Dass rechte Bewegungen einen bedenklichen Zuwachs bekommen? Dass Gestalten nach oben geschwemmt werden, die auf Wahlergebnisse und zivile Umgangsformen pfeifen? Dabei wurde nach dem Fall der Mauer bereits das Ende der Geschichte ausgerufen – was nicht bedeuten sollte, dass nichts Neues mehr geschieht unter der Sonne und nichts mehr besser gemacht werden könnte.

Es sollte bedeuten, dass es zur Demokratie keine attraktive Alternative gibt und nun auch die östliche Hemisphäre kapiert hat, dass Wohlstand nur in Freiheit gedeiht. 

Inzwischen ist das Ende der Geschichte wieder ferner gerückt. Nicht nur China führt vor, dass Wohlstand auch in autoritären Verhältnissen gedeiht und globaler Aufstieg nichts mit Menschenrechten zu tun hat. Nach dem Massaker auf dem Platz des Himmlischen Friedens glaubte so mancher im Westen, auf Dauer lasse sich die dortige Demokratie -bewegung nicht aufhalten. Das Gegenteil hat sich bewahrheitet. An chinesischen Universitäten stehen seither westliche Denker im Zentrum, die sich durch eine resolute Liberalismusfeindschaft auszeichnen, allen ...

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Theater heute Jahrbuch 2022
Rubrik: Risiko, Seite 24
von Karl-Heinz Ott

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